Matenrou Opera - Anomie - Cover
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Matenrou Opera Anomie


  • Label: CLJ Records/ALIVE
  • Laufzeit: 54 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Den Jungs muss man bei allem zu vermutenden Kalkül technische Brillanz in der Beherrschung der Instrumente bescheinigen.

Anomie: Zustand mangelnder individueller oder kollektiver Anpassung an neue soziale Tatbestände. Damit ist also schon mal der Titel des zweiten Silberlings von Matenrou Opera erklärt. Matenrou Opera wurden 2007 in Japan gegründet, veröffentlichten 2008 auch in Europa ihr Debüt und gingen im selben Jahr mit „Versailles“ auf Euro-Tour. Stilistisch ist die Band dem Visual Kei zuzuordnen. Visual Kei bezeichnet einen Kleidungsstil, mit dem sich vor allem Musiker und ihre Fans seit den 80ern in Japan von den Kleiderzwängen in Beruf und Schule abgrenzen wollen. Westliche Anknüpfungspunkte gibt es vor allem zum Glam-Rock und Gothic.

Im Zuge der sich immer schneller weiterentwickelnden Welt haben es alle Menschen schwer sich den verändernden sozialen Anforderungen anzupassen und genau da setzt die Anomie an. Das Intro vermittelt die Wurzeln der Anomie durch einen langsamen Herzschlag, über den sich langsam ein leicht dissonanter Klangteppich legt, der dann noch von mehreren hysterisch klingenden Stimmen überlagert wird. Weiter geht es mit „Dolce“, ein Lied, das viele Facetten von MO offenlegt. Zu Beginn singt Sänger Sono sehr zart, begleitet vom Bass, dann setzen ein offensichtlich von Keyboards erzeugter Geigenklang und die Gitarre ein, die dem Stück etwas mehr Kraft verleihen. Plötzlich wird der Gesang zum Rap und am Ende fühlt man sich an Metalsänger der 80er erinnert. Alles in allem ein bisschen viel für gerade mal 2½ Minuten.

Besser wird es dann mit dem Titeltrack „Anomie“. Hier werden moderne Metalsounds mit stimmigen klassischen Parts im Hintergrund vermengt. Abgesehen von einem ruhigen Part, der in ein fulminantes Gitarrensolo mündet, macht dieser Song viel Spaß und lädt beim Refrain zum mitsingen ein, also genau wie es sein sollte. Auf diesem Niveau und Strickmuster hält sich die CD dann auch erst mal, wobei teilweise die Austauschbarkeit der Songs ins Auge fällt. Eine Ausnahme bietet hier vorerst „Sand of the moon“ eine Poprockballade, die angenehm auffällt und die man sich gut im Soundtrack eines Films vorstellen kann. „Eve“ hingegen fällt sehr ins Ohr, denn hier wird teilweise fast Speed Metal geboten, allerdings wiederum von fast kitschig anmutenden ruhigen Parts unterbrochen.

Auch wenn dies alles negativ anmuten mag, den Jungs muss man bei allem zu vermutenden Kalkül technische Brillanz in der Beherrschung der Instrumente bescheinigen. Auch die im Bandnamen angedeutete Melange aus klassischen und modernen Melodien weiß durchaus zu gefallen. Nur im Gesamtpaket klappt das Ganze nicht unbedingt, wenn auch man dem einen oder anderen Titel Single-Potenzial bescheinigen muss. Textlich ist das Werk hingegen hochambitioniert und versucht die besagte Anomie darzulegen, was auch durchaus gelingt, aber wenn musikalisch die Anpassung an die neuen Umstände in Gleichförmigkeit endet, dann bleiben Fragen offen.

Anspieltipps:

  • Eve
  • Utopia
  • Last game

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