2Raumwohnung - Lasso - Cover
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2Raumwohnung Lasso


  • Label: Labels/EMI
  • Laufzeit: 52 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
4.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Herrschaften Inga Humpe und Tommi Eckart brauchen wohl niemandem mehr vorgestellt werden, der in den letzten Jahren auf der Suche nach chilligen Clubsounds mit deutschen Texten war. Zwar wird 2Raumwohnung noch immer und von vielen beinahe ausschließlich mit ihrem ersten Hit „Wir trafen uns in einem Garten“ assoziiert, denn das mit „Lasso“ bereits das sechste Werk der Berliner in den Läden steht, wird angesichts ihres schwankenden Beliebt- und Bekanntheitsgrades nicht jedem klar sein. Der Grund hierfür liegt eigentlich auf der Hand, da Humpe & Eckart das Rezept für ihre Songs nur äußerst minimal abändern und so seit gut einer Dekade grob gesehen nur ein kleines Update ihres Sounds anbieten.

Dementsprechend könnte man sich die Kritik für „Lasso“ eigentlich sparen und lediglich darauf hinweisen, dass die Fangemeinde der 2Raumwohnung dieses Jahr wiederum nicht enttäuscht wird und mit kleinen Popsongs mit dezenter elektronischer Note und verträumten Texten, die den Großteil ihrer schäfchenwolkiger Eleganz von NDW-Veteranin Humpes lasziv-verspieltem Organ bekommen, versorgt werden. Also ganz in der Tradition von „Kommt zusammen“ (07/2001), „In wirklich“ (09/2002), „Es wird morgen“ (08/2004), „36 Grad“ (02/2007), und der Bossa Nova-Verbeugung „Melancholisch schön“ (06/2005), die sich alle durch ihre Ambivalenz zwischen absolutem Nonsens und philosophischer Anmut ausgezeichnet haben.

Erstaunlich aber wahr, „Lasso“ bricht aus diesem Schema aus, wenn auch nur ganz, ganz kurz. Der Opener „Der letzte Abend auf der Welt“, der in der bisherigen Tradition der eröffnenden Nummern auf den 2Raumwohnung-Alben schon etwas peppiger zu Buche schlägt als sonst, ist ein schön groovender Track mit sonnigen Bläsern und lockeren Beats geworden, der einfach perfekt zu der derzeitigen Hitzeperiode passt. Die große und faustdicke Überraschung ist aber auf jeden Fall „Überall rein“: Frau Humpe suhlt sich anfänglich zwar noch in ihrer Traumwelt, doch spätestens wenn zum ersten Mal ihre gepresste Stimme zum Vorschein kommt und der Refrain einsetzt, sitzt man erst einmal ziemlich verdutzt vor den Lautsprechern. Hinzu gesellt sich nämlich noch ein deftiger Bass und ein heißer Satz Rockgitarren, der dem Projekt 2Raumwohnung den richtigen Kick gibt, den es schon länger benötigt hätte.

Danach setzen Humpe & Eckart wieder alles zurück an den Start, machen wie gehabt weiter und ergehen sich in den altbekannten Schwurbel-Sounds und Feelgood-Melodien mit Kuschel- und Wohlfühlfaktor, bei denen die (meist sinnfreien, auf einen flockigen Fluss setzenden) Texte nicht mehr als unterstützendes Beiwerk sind. Der im Pressetext angefügte Lasso-Steckbrief bebildert diesen Stillstand mit solch abstrusen Wortkreationen wie „Trommel-Voodoo“ oder „Großstadtdschungel-Groove“, der von ur-wilden und sanften „Heidelbeer-Snares“ und „Pfifferling-Strings“ zu einer kleinen Naturgewalt heranwächst. Wir sagen: 2Raumwohnung sind 2Raumwohnung und werden das mit ziemlicher Sicherheit nach auch bleiben. Und der herzhafte Ausreißer „Überall rein“ ist die willkommene Abwechslung im Schunkel-Schlaraffenland. Enttäuscht wird hiermit jedenfalls niemand.

Anspieltipps:

  • Überall rein
  • Wir werden sehen
  • Der letzte Abend auf der Welt

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