Joe Henry - Blood From Stars - Cover
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Joe Henry Blood From Stars


  • Label: Anti Records
  • Laufzeit: 58 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Vater und Sohn unternehmen seit Menschengedenken allerhand Dinge zusammen: Drachen steigen lassen, Seifenkisten bauen, an der Konsole daddeln, Fußball spielen, Eis essen und Handwerken aller Art. Je mehr gemeinsame Hobbys vorhanden sind, umso mehr kann man miteinander unternehmen. Da trifft es sich doch ganz gut für Joe Henry, dass sein Sohn Levon ebenso begeistert vom Jazz ist, wie Joe selbst. Nicht nur die Begeisterung ist groß, sondern auch Sohn Levons Talent am Saxophon. Der 17-jährige hat schon diverse Preise als Nachwuchsmusiker abgeräumt und ist in Augen seines Vaters reif, diesen Auftritt auf dem neuen Album zu wagen. Zu den Henrys gesellen sich noch lange Weggefährten Joes und schon steht dem Jazz-Vergnügen nichts mehr im Wege. Nach circa zwei Jahren Pause gibt es wieder in sanftester Weise auf die Ohren mit dem neuen Output „Blood From The Stars“.

Eine knappe Stunde fasst das neue Henry-Album und wie sich das bei Jazz gehört, lässt sich der gute Mann nicht aus der Ruhe bringen. Die stimmungsvolle Prelude ist ein reines Pianostück ohne Gesang, welches den Hörer schon einmal in Stimmung versetzt. Diese Stimmung wird auch gleich in „The Man I Keep Hid“ verarbeitet. Auch hier instrumentaler Einstieg, um mit der wohligen Melodie warm zu werden, was allerdings nur wenige Sekunden dauert. Danach wird genossen. Henrys Stimme weist die Nötige Rauheit vor, ist jedoch immer klar und verständlich. Die Band arbeitet routiniert und mit viel Gefühl, was zu einem klassischen Ambiente der Musik führt. Hier stimmt alles und das da ein Siebzehnjähriger mitspielt ist nahezu unglaublich für alle, die unter Jazz nur die typischen Bilder von älteren, zumeist schwarzen Herren, die sich minutenlang in immer neu variierten Melodien verlieren. Joe Henry zeigt, dass es auch stringenter und trotzdem authentisch gehen kann.

Das anschließende „Channel“ schafft es leider nicht, so hochklassig anzuschließen und macht sich mit einer Spur zu viel Country kaputt. Aber was heißt schon „kaputt“? Das Lied ist einfach „nur“ ganz gut und kein Meisterstück. Das ist alles und immer noch gut verschmerzbar. Es geht mit „My Favorite Cage“, das mit Hispano-Klängen nicht geizt, und dem tonnenschweren „Death To The Storm“ wieder steil bergauf und beschwört eine psychedelische Stimmung hinauf, die in „All Blues Hail Mary“ ihr etwas zu langsames Ende findet. „Bellwether“ brauch dann überraschend lang, um einen eigenen Charakter zu entwickeln und nicht als bloße Fortsetzung des Vorliedes zu klingen. In genügender Weise gelingt dies gegen Ende dann aber auch und rettet den Track auf ein wieder gutes Niveau.

Endlich wird es wieder jazzig von der ersten Sekunde an, wenn „Progress Of Love (Dark Ground)“ ertönt und auch wenn es nicht der stärkste Song des Albums ist, ist es unterhaltsam und stimmig. Ein richtiger Höhepunkt wird allerdings erst wieder mit dem Instrumentalstück „Over Her Shoulder“ präsentiert mit Levon Henry in der Hauptrolle. Das Saxophon spielt traumhaft schön und trägt das Stück auf wunderbare Weise, während die Gitarre Marc Ribots sich als traumwandlerisch sicherer Partner beweist. Zum Abschluss wird dann das Tempo noch einmal angezogen. „Suit On A Frame“ kling so, wie „Channel“ schon hätte klingen müssen. Treibend, superb strukturiert und mit herrlichen Solostellen der einzelnen Instrumente. „Truce“ und „Stars“ ergötzen sich am Saxophon, wobei Stars als Abschlusshymne ein großes Crescende samt Fortissimo bietet. Es bleibt nur für eine wunderschöne Stunde zu danken, während dieser Track behutsam ausklingt. Die Coda, welche sich der Melodie des Openers bedient, beweist erneut, was für eine Gänsehautstimme Henry hat. Nur minimalistisch getragen, bebt es aus den Boxen geradezu vor Intimität. Bis auf einige Längen hat Henry ein ganz großes Album geschaffen.

Anspieltipps:

  • The Man I Keep Hid
  • Over Her Shoulder
  • Suit On A Frame

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