Beastie Boys - Hot Sauce Committee Part Two - Cover
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Beastie Boys Hot Sauce Committee Part Two


  • Label: Capitol/EMI
  • Laufzeit: 44 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Das achte Studioalbum der Beastie Boys ist da. Adam Yauchs Ohrspeicheldrüsenkrebserkrankung verhinderte das angepeilte Erscheinen Ende 2009 und so imaginierten sich die stets humorvollen Wahl-Kalifornier einfach Part 1 ihres „Hot Sauce Committee“ bereits veröffentlicht zu haben und setzen nun Part 2 in die Welt.

Was hat eine der ältesten, noch existieren HipHop-Bands des Planeten uns noch zu sagen, mag man sich fragen. Inwiefern können wir von MCA, Mike D und Ad-Rock noch Genreinnovationen erwarten, nach den inzwischen lang zurückliegenden, ewigen Meilensteinen „Paul’s Boutique“, „Check Your Head“ und „Ill Communication“? „To The 5 Boroughs“ war eine Reaktion auf den 11. September 2001 und sozusagen mehr ein politisches Statement und Produkt der kulturpolitischen Diskussionskultur der Stadt New York nach Nine/Eleven. „The Mix Up“ 2007 schließlich längst überfällige Zementierung ihrer jazzig-experimentellen Bandfähigkeit in Albumform, nachdem „The In Sounds From Way Out“ 1996 zwar auch ein reines Instrumentalalbum jazz-funkiger Zurücklehnung war, aber lediglich alle Chill-Tracks der bisherigen Beastie-Boys-Alben in Kompilation zusammentrug und nebeneinander stellte und also nicht geplante Studioarbeit darstellte. Lang lang ist es also her, das die Beastie Boys HipHop allein aus dem Bedürfnis heraus eine HipHop-Band zu sein (in Wahrheit freilich noch viel mehr) gemacht haben.

Ja, sie klingen wie immer. Einen gänzlich neuen Sound werden die über ein halbes Menschenleben gelebt habenden Beastie Boys nicht mehr erfinden, so viel scheint gewiss. Und auch das vor allem „Paul’s Boutique“ und „Ill Communication“ HipHop für immer verändert haben und dies bei „Hot Sauce Committee Part 2“ nicht mehr unbedingt erwartbar erscheint, ist mehr oder weniger Konsens. Die Beastie Boys in einer Wiederholungsspirale? Grundsätzlich vielleicht sogar ja, aber wer mal Funk-, mal Rock-inspirierten Alternative HipHop derart gekonnt zusammenzuschnipseln versteht, der brauch sich Vorwürfe einer festgefahrenen Masche nicht anhören. Die Beastie Boys haben nach wie vor ein hochkreatives Gespür für interessantes und ansprechendes Sampling und hatten noch nie etwas mit an plumpe Gefühlsreflexe zerrenden, simplen Beatkonstruktionen des Mainstream HipHop, von 50 Cents normalen Albumtracks bis Berlins glorreicher, zu Pop gewordener Aggro-Kultur, gemein. Und diese Grundeigenschaft, der als 1979 als Hardcore-Punkband gestarteten New Yorker, verblasst so schnell nicht, im Gegenteil, Erfahrung und Reife lassen ein stets zu erweiterndes Experimentierfeld aus zu bedienenden Samples und instrumentalen Jam-Ideen gedeihen.

Spaßige Tracks, politische Statements, von Instrumenten und von Samples getragene Stücke: Die Beastie Boys vereinen eine kleine Werksschau auf „Hot Sauce Committee Part 2“. „Make Some Noise” und “Here’s A Little Something For Ya” lässt geschickten Sample-Irrwitz, der gute Laune macht, entstehen. „Don’t Play No Game That I Can’t Win” mit der lässig eingesetzten Santigold frönt HipHop-tauglich dem Dub und/oder Reggae. Yauch haucht nach wie vor kratzig ins Mikro und Ad-Rocks Tonlagen der ewigen Knabenhaftigkeit machen seine Wortspielereien dauerhaft schelmisch.

Es ist also konsequenterweise grundsätzlich nicht neu was die Beastie Boys auf ihrem achten Studioalbum machen. Wer aber auf so hohem Niveau HipHop kreiert brauch an seinen Erfolgsrezepten freilich wenig ändern und so haben Yauch, Horowitz und Diamond in einem spielend erscheinenden Handumdrehen das locker beste HipHop-Album des laufenden Jahres vorgelegt.

Anspieltipps:

  • Make Some Noise
  • Nonstop Disco Powerpack
  • Ok
  • Don’t Play No Game That I Can’t Win feat. Santigold
  • Here’s A Little Something For Ya

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