Jamie T. - Kings And Queens - Cover
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Jamie T. Kings And Queens


  • Label: Virgin/EMI
  • Laufzeit: 43 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Erfolg meinte es gut mit Jamie Treays aus Wimbledon, UK. Als Jamie T. startete er bereits mit dem größtenteils noch bei seinen Eltern geschriebenen Debütalbum „Panic Prevention“ (2007) vorerst nur in England durch, was sich jedoch schlagartig ändern sollte. Für den Mercury Award nominiert und mit Gold ausgezeichnet sprach sich der Longplayer und die Singles „Sheila“ sowie „Calm Down“ schnell herum, so dass die Mischung aus Sprechgesang, Hip Hop-Beats, Songwriter und Punkwurzeln weit über die Grenzen des Vereinigten Königreichs hinaus für ein Echo sorgte, das Jamie T. quasi über Nacht vom Teenager über die kurze Zeit des Geheimtipps zum Superstar machte. Er tourte um den Globus, ist 18 Monate fast ausschließlich unterwegs und brauchte folgerichtig Zeit, um wieder zu sich zu finden. Zum Glück war das nötige Kleingeld da, Mr Treays kauft sich ein Haus, verbringt Tag und Nacht mit den Songs von Bob Dylan und sagte sich schließlich, dass das als Twen noch nicht alles gewesen sein kann.

Er ist getrieben von seiner Leidenschaft für die Musik, für das Erzählen und ist es darüber hinaus noch leid, immer wieder die gleichen „Panic Prevention“-Songs live zu spielen. Also greift er auf Songideen vom Handy zurück, die er auf Tour eingefangen hat, setzt sich mit Produktionspartner Ben Bones zusammen und ist schon mittendrin im Prozess für sein zweites Album „Kings And Queens“. Nahezu alle Instrumente sind von Treays und Bones eingespielt, allein Treays kümmerte sich persönlich um Drums, Gitarre, Bass, Piano und Ukulele, bis zu deren Einsatz es allerdings noch Überzeugungsarbeit von Bones brauchte.

Was gleich auffällt beim sehnlich erwarteten Nachfolger zu „Panic Prevention“, ist der erhöhte Anteil an Folk-Elementen und schlichten, zielgerichteten Pop/Rock-Arrangements, durch die „Kings And Queens“ eine hohe Hitdichte aufweist, man könnte auch radiofreundlicher sagen, ohne jedoch auf die ungehobelte, rüpelige Art verzichten zu müssen, die Jamie T. so liebenswürdig und authentisch macht. Im Opener „368“ rappt sich der Meister jedenfalls schon einmal warm, untermalt von Streichern und robustem Rhythmus-Gerüst, so dass „Hocus Pocus“ mit beschleunigtem Tempo, Rock-Gitarren und einem harmonisch gesungenen Refrain als Indie-Pop verpackt einen unwiderstehlichen Ohrwurm darstellt. Diese Spielfreude und Dringlichkeit nochmals getoppt, ergibt das „Sticks´n´Stones”, in dem der Flow der Worte ungebrochen ist, wieder höchst eingängig der Tanzbarkeit gefrönt wird und man bereits nach wenigen Songs beeindruckt ist vom erhöhten Pop-Verständnis des Briten.

Mehr Song, weniger Skizze ist die Devise, die auf „Kings And Queens“ vollends aufgeht und Hit an Hit aufreiht. Denn ob nun Indie-Pop, Hip Hop oder Singer/Songwriter: Jamie T. perfektioniert auf seinem Zweitwerk diese Stile, lässt sie unmerklich ineinander übergehen, fasziniert durch bestens gelaunte Party-Kracher, bodenständige Rap-Parts genauso wie durch karge, sehnsüchtige Folk-Perlen, wovon „Emily´s Heart” sicherlich die meiste Gänsehaut erzeugt. Trotz des erhöhten Pop-Anteils bleibt es stets unvorhersehbar, Lo-Fi, typisch Jamie T. und so kann man hier nur eine Punktlandung attestieren, die kaum gelungener sein könnte.

Anspieltipps:

  • Sticks´n´Stones
  • The Man´s Machine
  • Emily´s Heart
  • Spider´s Web

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