Paramore - Brand New Eyes - Cover
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Paramore Brand New Eyes


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 44 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Schade, dass es erst einen Teenie-Blockbuster wie „Twilight“ braucht, um der fünfköpfigen Band aus Tennessee auch in Deutschland den endgültigen Durchbruch zu bescheren. Für den Soundtrack leisteten Paramore nämlich einen starken Beitrag, der dafür sorgte, dass ihnen mit dem nun erschienenen dritten Studioalbum „Brand New Eyes“ mehr Aufmerksamkeit denn je zuteilwird. Dabei haben Hayley Williams und ihre Jungs schon immer überdurchschnittlich guten Pop-Punk und Alternative Rock gemacht, der einem schnell in alle Glieder fährt. Das neue Album ist da gar keine Ausnahme, sondern bestätigt nur die unbändige Energie der vielfach ausgezeichneten Nachwuchsstars.

Von der ersten Minute an preschen Hayley (Gesang), Josh (Gitarre), Zac (Schlagzeug), Jeremy (Bass) und Taylor (Gitarre) konsequent nach vorn und bemühen sich gleichzeitig stets um hohe Eingängigkeit. Dass dies auch mal in einem platten „badababadababada“ („Brick By Boring Brick“) endet, verzeiht man der Truppe gerne. Der rasante Opener „Careful“ wird gleich von der ersten Single „Ignorance“ getoppt, wo Paramore, ganz in der Tradition der ersten Single des Vorgängeralbums, „Misery Business“, ihre volle Breitseite an den Tag legen. Wenn die Band dann in Sachen Tempo und Gitarrensalven etwas gezügelter wird („Playing God“, „Turn It Off“), können sich die gefühlvollen Texte entfalten, die stets einen hohen Mitsingfaktor mit sich bringen. Nach diesem Rezept läuft die Titelliste auf ihr Zentrum „The Only Exception“ zu, eine wundervolle Akustik-Gitarren-Ballade. Nicht nur musikalisch, sondern auch textlich definitiv einer der besseren Lovesongs, allein schon weil das lyrische Ich den Auserwählten nicht anschmachtet, sondern den Gefühlen durch einen nachdenklichen Blick in die eigene Seele Ausdruck verliehen wird. Sowieso wird jeder Song von der hervorragenden Stimme des zierlichen Rotschopfs (aktuell Blondchen) namens Hayley getragen. Eine Stimme, die gleichermaßen Arschtritte und Gänsehäute unters Volk zu streuen vermag. Neben den treibenden Rhythmen der eigentliche Erfolgsgarant von Paramore.

Verwunderlich, dass auf den ersten beiden Alben „All We Know Is Falling“ (2005) und „Riot!“ (2007) nie eine Akustik-Ballade Platz fand, wo ebendiese doch offensichtlich eine Spezialität von Paramore sind, wie einige B-Seiten und das gelungene Foo-Fighters-Cover „My Hero“, zu finden auf dem Konzept-Sampler „Sound Of Superman“ (2006), zeigen. Auf „Brand New Eyes“ erscheinen gleich zwei solcher Stücke. Nämlich neben dem bereits erwähnten „The Only Exception“ auch noch „Misguided Ghosts“. Letzteres verfügt über eine recht unglückliche Position. Die Akustik-Gitarren-Ballade schlechthin ist ja bereits „The Only Exception“, und im letzten Teil des Albums ist nach den schwungvollen Songs „Feeling Sorry“, „Looking Up“ und „Where The Lines Overlap“ die Platzierung eines weiteren Ruhepols zwar berechtigt, doch als Schlusslicht bekommt man mit „All I Wanted“ sowieso schon ein weiteres Down-Tempo Stück aufgetischt. Ein ziemlich schönes noch dazu, wodurch „Misguided Ghosts“ letztendlich zwischen allen Stühlen sitzt. Und dann ist da noch das berüchtigte „Twighlight“-Lied. Hier passt die Bezeichnung „Bonus Track“ wirklich gut, da „Decode“ sich durch seinen andersartigen Sound klar vom Rest des Albums unterscheidet. Über den Film kann man sagen was man will, doch „Decode“ gehört sicherlich zum Stimmungsvollsten und damit Reifsten und damit Besten was Paramore bislang veröffentlicht haben.

Wer sich schon von „Riot!“ mitreißen ließ, kann bei „Brand New Eyes“ bedingungslos zugreifen. Neueinsteiger (Schönen Gruß an die Twighlight-Anhänger!) können ebenso ohne Bedenken die älteren Alben nachkaufen. Paramore haben mit „Brand New Eyes“ wieder mal ein Album geschaffen, das vor ihrer jugendlichen Energie nur so sprüht und gefühlvolle Texte sowie Melodien vom Feinsten zu bieten hat. Ein paar winzige Unstimmigkeiten fallen da nicht groß ins Gewicht.

Anspieltipps:

  • Ignorance
  • The Only Exception
  • Decode
  • Brick By Boring Brick

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