Pearl Jam - Backspacer - Cover
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Pearl Jam Backspacer


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 37 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Album, das mit rund 37 Minuten Spielzeit ungewöhnlich kurz ausgefallen ist und eine ganz neue Seite im Pearl-Jam-Songwriting offenbart.

Der Grunge ist zurück, könnte man meinen. Denn im Abstand von nur einer Woche erscheinen neue Alben von Pearl Jam („Backspacer“) und Alice In Chains („Black Gives Way To Blue“). Eine Konstellation, die einer ganzen Generation Freudentränen in die Augen treiben dürfte. Denn von Alice In Chains konnte man nach dem Tod von Sänger Layne Staley im Jahr 2002 nichts Neues mehr erwarteten, während Pearl Jam zu einer der beständigsten Bands der letzten 20 Jahre geworden ist. Und jetzt schlagen beide fast zeitgleich mit neuen Alben auf. Hallelujah!

Im Hause Pearl Jam hat sich in der vergangenen Jahren viel getan. Ihre Abnabelung von der Industrie schreitet immer weiter voran und die Arbeitsweise funktioniert so gut wie autark. Darauf wollte die Band immer hinaus und das zeigt sich im Zuge der Veröffentlichung ihres neuen Studioalbums wie folgt: 1.) Es gibt eine neue Plattenfirma! Nach fast zwei Dekaden verließen Pearl Jam Sony Music endgültig, nachdem sie zuerst von Epic Records zu J Records wechselten, die beide zum Stall der Japaner gehören. Sie unterschrieben zumindest für die Europa-Vermarktung einen Vertrag beim Major Universal Music, während die Band die USA-Vermarktung in die eigenen Hände nimmt. 2.) Es herrschen neue Sitten! Die Verweigerungshaltung scheint vorbei zu sein, Promo-Videos und Interviews gehören wieder zum Alltag. 3.) Pearl Jam sind reifer! Die neue Bandharmonie schlägt sich darin nieder, dass sich jeder am Songwriting beteiligen kann und Drummer Matt Cameron, immerhin seit 1998 dabei und inzwischen der fünfte Schlagwerker bei Pearl Jam, endlich voll in die Bandprozesse eingegliedert ist. 4.) Die Rückkehr eines alten Bekannten! Brendan O’Brien (u.a. Bruce Springsteen, AC/DC, Rage Against The Machine, Audioslave, Incubus) kehrt nach zehn Jahren Pause (!) auf den Produzentensessel zurück.

Musikalisch äußert sich das Ganze in einem Album, das zum einen mit rund 37 Minuten Spielzeit ungewöhnlich kurz ausgefallen ist und zum anderen eine ganz neue Seite im Pearl-Jam-Songwriting offenbart. Eddie Vedder, Stone Gossard, Mike McCready, Jeff Ament und Matt Cameron zeigen sich in den elf Songs auf „Backspacer“ als abgeklärte, fast schon im Classic Rock beheimatete Band, die immer noch in der Lage ist, grandiose Melodien zu schreiben („Force of nature“), aber insgesamt eher ruhig und weit weniger kratzbürstig zu Werke geht und mehr Wert auf eine „fette“ Produktion legt.

Das sind vielleicht die ersten Auswirkungen einer rundum zufriedenen Band, die sich langsam auf ihr Alterswerk vorzubereiten scheint. Doch so schlimm ist es dann doch nicht, denn die Herren legen mit „Gonna see my friend“, „Got some“ und der ersten Singleauskopplung „The fixer“ durchaus flott und rockig los, wobei das wilde „Supersonic“ im Schlussdrittel noch am meisten Dampf macht. Allerdings sollte nicht verheimlicht werden, dass die Harmonien und verwendeten Instrumente zeitweise an 70er Jahre Classic Rock („Johnny guitar“) und dabei bestenfalls an Bruce Springsteen erinnern („Unthought known“, „Speed of sound“). Etwas reizvoller fallen die akustische Ballade „Just breathe“ (trotz fieser Streicher), das kantige „Amongst the waves“ (was vornehmlich am herausragenden Gitarrensolo im Mittelteil liegt) sowie die alles überstrahlende Hymne „Force of nature“ aus, mit der jeder Hörer auf Anhieb gefangen genommen wird.

Aber ganz ehrlich: Unterm Strich ist das zu wenig, was Pearl Jam auf „Backspacer“ an begeisterndem Material zu bieten haben. Wenn man der Band in der Vergangenheit immer wieder vorgeworfen hatte, sich auf ihren Alben mit Experimenten zu verzetteln, hatte das wenigstens Charme und eine Spur von Angriffslust. Beides fehlt diesem Album über weite Strecken. Pearl Jam klingen selbstzufrieden und teilweise richtig glatt, was so gar nicht zu dieser Gruppe passen will. Fast wäre man aufgrund von Songtiteln, die wir aus dem jüngeren BritPop kennen („Supersonic“ und „Force of nature“ von Oasis sowie „Speed of sound“ von Coldplay), geneigt zu glauben, dass wir es mit Coverversionen zu tun haben. Aber nein, so klingen Pearl Jam anno 2009. Und das ist durchaus diskussionswürdig.

Anspieltipps:

  • The fixer
  • Supersonic
  • Just breathe
  • Force of nature
  • Amongst the waves

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