Panzerballett - Hart Genossen Von Abba Bis Zappa - Cover
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Panzerballett Hart Genossen Von Abba Bis Zappa


  • Label: Act/EDEL
  • Laufzeit: 57 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Panzerballett ist das Projekt des Gitarristen und Komponisten Jan Zehrfeld, der nach erfolgreich absolviertem Jazzgitarrenstudium mit weiteren, ebenfalls studierten Musikern ein Experiment wagt; die komplexe Verbindung von Jazz und Metal. Nachdem der erste selbstbetitelte Panzerballett-Output 2005 zahlreiche Hörer findet, erscheint 2008 das zweite Album „Starke Stücke“ auf dem Label Act und steigt sogar in die deutschen Jazz-Charts ein. Sowohl Eigenkompositionen als auch Cover bekannter Stücke aus dem Hardrock-Genre (wie z.B. „Thunderstruck“ von ACDC oder „Smoke on the Water“ von Deep Purple) befinden sich auf den Alben. Letzteren sind allerdings meist nur die Hauptmotive entnommen, zudem noch stark verzerrt und durch den Zehrfeldschen Jazz-Wolf gedreht, sodass das Endprodukt nur noch schwer mit dem Original vergleichbar ist.

Mottos wie „Warum einfach, wenn es schwer geht?“ oder „Headbangen mit Köpfchen“ lassen schon erahnen, wie es bei Panzerballett zugeht; komplexe Jazz-Strukturen und –Rhythmen treffen auf brachiale Doublebass und Distortion aus dem Hartwurst-Genre. Auf „Hart Genossen“ verzichtet Zehrfeld allerdings auf eigene Kompositionen, vielmehr befinden sich Stücke anderer Bandmitglieder und befreundeter Musiker und natürlich Neuinterpretationen auf dem Album. Die erste davon lässt schon zu Anfang ein breites Grinsen zu. Schlagzeug, Bass, E-Gitarre und Saxophon scheinen nebeneinander her zu spielen, um letztendlich doch die Titelmelodie der „Simpsons“ erkennen zu lassen, allerdings eher im Headbang-Format. Ironischerweise leitet das Saxophon nach gut drei Minuten elegant über in einen lockeren Swing. Derartige Genre-Wechsel lassen sich häufig finden, wirken jedoch zu keiner Zeit gekünstelt.

Ebenso amüsant ist die Parodie auf „Mein Teil“ von Rammstein. Nur der Refrain lässt erkennen, welchen düsteren Ursprungs das Stück ist; die Strophen singt Gastmusikerin Conny Kreitmeier im Jazz-Gewand und mit dem für Till Lindemann so markanten, rollenden „R“. Der Instrumentalteil inklusive Saxophon- und Percussion-Solo setzt dem ganzen noch die Spaß-Krone auf. Okay, auf die Idee, die Nummer „Ein bisschen Frieden“ zu parodieren, sind schon viele gekommen, Stil hat diese neue Version trotzdem und besser hörbar als das Original ist sie ohnehin. Auch die beiden Frank Zappa-Medleys wissen zu gefallen, der Gesang von Martin Mayrhofer ist vor allem in „Oh No“ sehr passend, erinnert hier und da ein wenig an John Wetton zu King Crimson-Zeiten. Erwähnenswert sind noch der renommierte Gastmusiker Klaus Doldinger, der zu der Neuauflage seines „Jadoo“ ein Saxophon-Solo beisteuert, und der zypriotische Gitarrist Okan Ersan, dessen heulende Gitarrenklänge in „Mediterranean Breeze“ erfrischend anders klingen.

Mit „Hart Genossen“ wird Sowohl Metallern, die mit Saxophon und Improvisation konfrontiert werden, als auch Jazz-Hörern, aufgrund der „lauteren“ Sequenzen, so einiges abverlangt. Wer sich jedoch darauf einlässt und den ironischen Unterton der meisten Lieder erkennt, wird sein Vergnügen haben. Am meisten Spaß macht es natürlich, wenn einem die Originale bekannt sind, zwingend notwendig ist es jedoch nicht, zumal sich die Platte mit schnellen Wechseln zwischen lauten und leisen Parts und unterschiedlichen Stilen sehr abwechslungsreich gestaltet. Für alle, die mal etwas neue ausprobieren wollen, sehr empfehlenswert!

Anspieltipps:

  • Mein Teil
  • Gimme, Gimme, Gimme
  • Jadoo
  • Zappa Medley From Hell Part II

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