The XX - XX - Cover
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The XX XX


  • Label: Beggars/INDIGO
  • Laufzeit: 39 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
7.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Versuch authentischer, bejahenswerter Nivellierung all dessen was in unserer derzeitigen popkulturellen Konsumwelt Usus geworden ist, bricht über uns herein. Keine Bedienung einer modischen Welle, kein bestimmter Look, keine bestimmte Hose, kein gottverdammter Bandname und kein metaphorisch aufgeladener Albumtitel. The XX aus der neben New York musikalisch vielfältigsten Metropole dieser Tage, London, überraschen mit einem der erstaunlichsten Releases des Jahres. Und wie bei der Black Box Revelation zu Beginn desselbigen sind es unerfahrene 19- und 20-Jährige die den Weg in die Zukunft weisen mittels ungenierten Rückbezugs auf Vergangenes.

Diese blutjunge Band um Sängerin Romy Madley und Gitarrist Oliver Slim entwickelt mit spielerischer Leichtigkeit einen entspannten, atmosphärisch dichten Klangteppich, der die Melancholie The Cure’s und anderer 80er-Depressiva in ein neues Zeitalter hebt. Unendlich zurückgezogen und faszinierend eindringlich wirken ihre Songs, vorgetragen in durchweg flüsterndem Gesang Madleys und Sims. Psychedelischer Hall und abgebremste, nahezu eingefrorene R&B-Beats schleichen sich in den Kopf und versetzen in eine Stimmung von zeitlosem Innehalten. Dabei ist diese introspektive Tagträumerei keineswegs beschränkt auf die dunklen, kalten Wintertage im häuslichen Kerzenschein, selbst im emotional aufblühenden Hochsommer behält das Debüt von The XX seine unwiderstehliche Macht.

Nahezu jeder Song verdient das Prädikat besonders wertvoll und meistert den in diesem Genre oftmals so schwierigen Spagat zwischen Tiefgang und Traurigkeitskitsch. Auch sind die dementsprechend zarten, verletzlichen lyrischen Bekenntnisse pointiert schlicht und ballastfrei. Einzig auf „Shelter” kleckern sie ausnahmsweise daneben in den großen Kitschtopf, wenn Madley säuselt „maybe I have said something that was wrong / can I make it better?“. Was aber auf „Intro“, „VCR“, „Crystalized“, „Islands“, „Basic Space“, „Night Time“ und „Infinty“ manifestiert wird ist die große Kunst der beruhigten Eindringlichkeit, welche in Melodie und Aussage eine stimmige, minimalistische und bewegende Einheit bildet. The XX aus London eröffnen einen neuen Weg der Verweigerung, der Rebellion, die individualisiert befreiend von metropolitanen Zeitgeistzwängen wirkt.

Anspieltipps:

  • Islands
  • Intro
  • VCR
  • Crystalized
  • Basic Space
  • Night Time
  • Infinity

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