Axxis - Utopia - Cover
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Axxis Utopia


  • Label: AFM/Soulfood
  • Laufzeit: 49 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Die deutschen Metal-Veteranen müssen sich schon ein wenig mehr anstrengen!

Als Kritiker im Online-Bereich muss man heutzutage schon mal damit rechnen, das eine oder andere Album nicht physisch bemustert zu bekommen und wird stattdessen gebeten auf simple MP3-Downloads aus den eigenen Pools der Plattenfirmen zurückgreifen oder wählt überhaupt die teurere Variante und kauft sich das jeweilige Album zum Vollpreis am Tag seiner Veröffentlichung. Einigermassen verständlich sind diese Maßnahmen grundsätzlich schon, schließlich muss die gebeutelte Musikindustrie irgendwo das verloren gegangene Geld aus illegalen Downloads wieder hineinbekommen bzw. diesen mit solchen durch Wasserzeichen geschützten MP3s entgegenwirken.

Wenn dann allerdings zum neuen Axxis-Album „Utopia“ Sänger Bernhard Weiss im beigefügten Pressezettel von einem „richtig fetten Sound“ spricht, der auf den MP3-Files wohl eher untergehen wird, dann könnte einem ziemlich schnell der Kragen platzen. Auch wenn der Axxis-Fronter sicherlich eher die herkömmlichen Download-Fanatiker meint, so ist es im Falle von „Utopia“, das eben nur im digitalen Zustand an den Kritiker weitergeleitet wurde, eine Zumutung, dieses Statement einem auch noch unter die Nase zu reiben. Wäre wenigstens eine läppische Pappschuberpromo im Briefkasten gelandet, wäre die Welt in Ordnung gewesen, aber nehmen die deutschen Melodic-Metal-Urgesteine wirklich schlechtere Wertungen, die durch fehlende Datei-Information bzw. Detailtreue zustande kommen kann, in Kauf oder denken sie, dem Kritiker wird es ohnehin nicht auffallen? Aber wieso dann explizit darauf aufmerksam machen? Das verstehe wer will.

Was nun das eigentliche Oeuvre anbelangt, welches das nunmehr elfte reguläre Studioalbum in der Geschichte der Band darstellt, so sind Bernhard Weiss (Gesang), Harry Oellers (Keyboard), Marco Wriedt (Gitarre), Rob Schomaker (Bass) und Alex Landenburg (Schlagzeug) auf der Wellenlänge der letzten Alben geblieben, was nichts anderes bedeutet als dass dem Hörer kraftvoller Power Metal mit stark melodischer Ausprägung dargeboten wird, dessen Strahlkraft aber langsam zu verblassen scheint. Mit „Paradise in flames“ (01/2006) hat diese kompositorische Herangehensweise noch gemundet, schafften es die fünf Deutschen schließlich das richtige Mittelmaß aus Energie und Harmonie zu finden, was nicht nur zu einem stillen Klassiker in der Diskographie der Band führte, sondern auch die Messlatte für die folgenden Werke in neue Dimensionen hob. „Doom of destiny“ (11/2007) konnte die Erwartungen allerdings nicht zur Gänze erfüllen, obwohl die stärkere Einbindung von Gastsängerin Lakonia wie auf vorangegangenen Kollaborationen für frischen Wind im Axxis-Kosmos sorgte (z.B. „Lady moon“ oder „Take my hand“). Dieses Mal ist die Zusammenarbeit hingegen auf ein Mindestmaß geschrumpft und Bernhard teilt sich nur mehr sporadisch das Mikro mit der stimmgewaltigen 28-Jährigen.

Nach dem standesgemäßen, episch angelegten Intro „Journey to Utopia“ geht es mit dem Titeltrack sogleich in die Vollen und der typische Synthiesound, welcher die Melodie vorgibt, verschmilzt mit einem gut aufgelegten Weiss, treibendem Schlagzeug und deftigen Hardrock-Gitarren. Das selbe Spiel wird auch in „Last man on earth“ geboten, während das nachfolgende Stück vollkommen in Belanglosigkeit untergeht, was nicht nur dem angestaubten Aufbau, sondern auch dem „Reim dich oder ich freß dich“-Lyrics geschuldet ist, die zwar zum ersten Mal in Deutsch gehalten sind, aber nicht wirklich Lust verbreiten in Zukunft mehr in dieser Form zu hören („Fass mich an und vertraue mir / Denk daran ich bin nicht von hier“). „Sarah wanna die“, „The monsters crawl“, „Eyes of a child“ und „Heavy rain“ geben anschließend herkömmliche Axxis-Stücke wie man sie schon zuhauf auf anderen Alben hören dürfte und sind wohl eher für Hardcore-Fans eine Ohrenweide, während „My father´s eyes“ trotz eines gewissen Kitschfaktors eine wunderbare Ballade darstellt, die die richtige Dosis an Emotionen versprüht und live sicher bald zu einer gern gehörten Nummer werden könnte.

Gegen Schluss sind dann aber eindeutig die Höhepunkte der Scheibe zu finden und mit dem dezent eingewobenen Keyboard-Geplucker sowie der sirenenhaften Unterstützung von Lakonia in „For you I will die“, sowie dem atmosphärischen Brecher „Underworld“, der die Scheibe munter über die Zielgerade knüppelt, stellt sich doch eine gewisse Befriedigung ein. Dennoch steuern Axxis mit „Utopia“ auf konsequenten Stillstand zu, der nicht wirklich abschreckt, aber in Anbetracht des einen oder anderen Glanzstücks in der nunmehr 20jährigen Geschichte der Band ebenso wenig für übermäßige Euphorie sorgt. Da müssen sich die deutschen Metal-Veteranen schon ein wenig mehr anstrengen!

Anspieltipps:

  • Underworld
  • Father´s Eyes
  • For You I Will Die

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