Sometree - Yonder - Cover
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Sometree Yonder


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 37 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Bereits ins Jahr 1994 geht der Ursprung des Quartetts von Sometree zurück. Damals wie heute geprägt vom Post Hardcore und emotionalen Achterbahnfahrten von Bands wie Sunny Day Real Estate, Mineral und anderen Helden der Neunziger aus so genannter Emocore-Sicht. Als diese emotionale und weniger politische Richtung des Hardcore auch in Deutschland Erfolge feierte, sind Sometree um die Jahrtausendwende herum besonders durch die Alben „Clever, Clever Where Is Your Heart“ sowie „Sold Heart To The One“ über den Stellenwert eines ewigen Geheimtipps hinaus gewachsen und erweiterten ihren zwischen brachial und melancholisch pendelnden Sound um mehr Weite und verzichteten immer deutlicher auf Genre-Verweise. Eindringliche und gleichermaßen aufreibende Longplayer, wie die beiden letzten Werke „Moleskine“ und „Bending The Willow“, waren die Folge, kombinierten wütende Gitarren-Wände mit orchestralen Landschaften und ließen kontinuierlich ein größeres Maß an Ruhe einkehren.

Dieser Weg wird auch drei Jahre nach „Bending The Willow“ auf „Yonder“ weiter verfolgt, nachdem sich Sometree eine konsequente Auszeit vom Touralltag gönnten und den Sommer 2008 in einem kleinen, brandenburgischen Nest verbrachten. Weniger soll dieses Mal mehr sein in Bezug auf die zeitintensive Produktion des Vorgängers und auch bezüglich der Instrumentierung. Zwar lud man sich Gäste an Trompete, Cello und Posaune ein, verschaffte Konstantin Gropper von Get Well Soon durch Backing Vocals Gehör und ließ wieder einmal von Tobias Siebert (Phillip Boa, Kettcar) produzieren. Dennoch ist es vor allem die Gelassenheit, welche die lauten Ausbrüche auf ein Mindestmaß reduziert und „Yonder“ beherrscht. Was beim Opener „Sink Or Swim“ noch wuchtige, gitarrenlastige Passagen im Zusammenspiel mit den ruhigen Momenten, vor allem geprägt durch die Violine, für eine Spannung erzeugen, vermisst man nicht selten während des kurzen Albums.

Die Vocals von Bernd bleiben vor allem in sehnsüchtig-harmonischen Gefilden, was beim großartigen „Moduin“ im seelenvollen Meer aus Piano und Trompeten bestens funktioniert und eine ungemeine Tiefe vermittelt, die weit strahlt und dem taumelnden Rhythmus Intensität verleiht. Auch das verstörende „Serene“ mit seinem Glockenspiel und verzerrten Sounds kommt einem bittersüßen Ritt in den Abgrund gleich, atmet tiefe Züge von Abschied und Schwermut, um schließlich doch ein Lächeln hervorzurufen. Doch in der Gänze des Longplayers ist das zu wenig Aufbruch, zu wenig aufrüttelnde Energie, um längerfristig den Reiz aufrecht zu erhalten, auch wenn Sometree es immer noch scheinbar mit Leichtigkeit schaffen, den Hörer zu bewegen und ihm in der vertonten Apokalypse so verzückend Hoffnung zu überbringen.

Anspieltipps:

  • Sink Or Swim
  • Moduin
  • Serene
  • Enchiridion

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