Berry - Mademoiselle - Cover
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Berry Mademoiselle


  • Label: Mercury/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 47 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Neben den guten Texten und der fantastischen Stimme will sich einfach nichts Eigenständiges an diesem Album zu erkennen geben.

Alors! Frankophile Hörer aufgemerkt! Seitdem Alizée vor gefühlten Dekaden mit französischem Pop auch in deutschen Landen für Aufsehen sorgte, ist endlich wieder eine Sängerin von diesem PR-Format auf dem großen, internationalen Parkett. Zwar wird Berry nicht so herausgeputzt und versucht weniger durch Image zu überragen, doch im Zusammenschluss mit altgedienten Musikern versucht sie ein Art- und besonders ein familiengerechtes Album für den Feierabend zusammenzustellen. Jenes Projekt bekam den lieben, braven Titel „Mademoiselle“ und ist gleichzeitig die liebliche Eröffnung des dreiviertelstündigen Ruhereigens.

Auch wenn die ersten Sekunden auf Alizées große Schwester hinweisen, belehrt die ummantelnde Stimme der französischen Berry den Hörer gleich eines besseren. Das Rezept des Albums wird allerdings geradewegs verraten. Ruhiger Akustikpop, der die Stimme der jungen Chansonette untermalen und begleiten soll. Die Streicher sind fast schon zu episch für dieses Rezept. „Mademoiselle“ ist der perfekte Song, für alle, die völlig fertig nach Hause kommen und sich zurücklehnen möchten. Die sanfte, aber nicht harmlose Stimme der Sängerin lädt zum Träumen und entspannen ein, während die Arrangements ein wenig glattgebügelt wirken und nicht wirklich überraschen. So profitiert der Opener von den Streichern, welche vielleicht etwas aufgesetzt wirken, den Track aber in Erinnerung lassen.

Was dann wie ein Damien-Rice-Stück der guten Sorte beginnt, ist „Le Bonheur“, das dann allerdings dem französischen Pop zu Liebe den Songwriter-Teil aussperrt und so zugänglich für jedermann wird. Dabei könnte ihre Stimme so einen kleinen Kammersong doch genauso gut alleine tragen. Hier wurde klar fürs Radio produziert. „Las Vegas“ traut sich dann endlich düsterer zu sein und sich nicht dem breiten Publikum anzubiedern. Ausgerechnet hier gibt es einen Ausfall in Sachen Songwriting und im Endeffekt bekommt man das Gefühl, die gute Berry habe über vier Minuten nur das Wort „Las Vegas“ gesungen. Schade, denn im Anschluss ist wieder das süßliche dran und während es eine wahre Freude ist, Berrys Stimme zu lauschen, bekommt man von der Instrumentalisierung beinahe Karies. Fröhlich soll hier keineswegs als schlechter dargestellt werden, aber von den beschwingten und romantischen Stücken eines Jason Mraz oder eines Jack Johnson sind wir Meilenweit entfernt.

Dieses Problem zieht sich durch den gesamten Longplayer und an mancher Stelle fragt man sich ernsthaft, wo die Produzenten immer diese Musik von der Stange herbekommen. Oder besser: Warum sie nicht auf die Idee kommen, dass dies langweilen könnte. Die Frage ist schnell beantwortet und die Preise, die Berry einheimst in ihrem Heimatland unterstreichen diese Art der Arbeit. Neben den guten Texten (bis auf „Las Vegas“ und „Love Affair“) und der fantastischen Stimme will sich einfach nichts Eigenständiges an diesem Album zu erkennen geben. Selbst in bezaubernden Stücken wie „Plus Loin“ spürt man die überbordende Produktion und weiß: Die Leute werden es lieben! Das Problem nach einem anstrengenden Arbeitstag ist, dass die Leute gar nichts Komplexes mehr wünschen oder etwas Spezielles. Sie wollen berieselt werden und das werden sie von Berry auf fantastischem Niveau. So ist Berry die Einäugige unter den Blinden. In die Liga der richtig großen Musikgrößen reicht es auf diesem Weg allerdings nicht. Dafür müsste die junge Frau jene Fesseln ablegen, welchen Vorgängerin Alizée von Beginn an verfallen war. Es ist ein Pakt mit dem Teufel.

Anspieltipps:

  • Mademoiselle
  • Plus Loin
  • Chéri

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