Bela B - Code B - Cover
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Bela B Code B


  • Label: BPX 1992/Sony Music
  • Laufzeit: 50 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

„Code B“ ist hauptsächlich kein großer Wurf, aber es ist sein Baby. Und das gönnen wir ihm einfach.

Der Herr B., Bingo-Bela, der Human Boss, unser Graf ist zurück! 2006 unternahm der Ärzte-Schlagzeuger seinen ersten musikalischen Soloausflug im Albumformat, „Bingo“. Nach einer anschließenden, langen wie erfolgreichen Phase mit seiner Hauptband hat Spandaus größter lebender Rockstar sich wieder im Alleingang aufgemacht, um seine persönlichen Einflüsse, Wünsche und Träume auszuleben. Und diesmal richtig. Wurde ihm bei seinen ersten Gehversuchen als Solo-Künstler noch unter die Arme gegriffen, hat Bela diesmal alle Songs selbst geschrieben und fast ausnahmslos auch selbst arrangiert. Nach eigenen Angaben ist er mit den Jahren auch zu einem deutlich besseren Gitarristen geworden. Jawohl, er spielt Gitarre, falls das jemand immer noch nicht weiß, denn auf der Bühne kam man sich schlecht als Lead-Sänger, Rock&Roll-Zentrum und Band-Chef inszenieren, wenn man hinter den Drums verborgen bleibt.

Wo Bela B (jetzt ohne Punkt, wenn man es ganz genau nehmen will) draufsteht, ist diesmal also auch durch und durch Bela drin, ergänzt lediglich durch die interessanten Gäste, die der Graf sich für „Code B“ ins Boot holte. Los geht’s mit dem typischen Ich-bin-zurück-Eröffnungssong „Rockula“, der mit der Zeit Spaß macht, letztlich aber doch ziemlich uninspiriert bleibt, gefolgt von „Geburtstagsleid“, das von Text und Ideen etwas überladen ist, wodurch die Chance auf Eingängigkeit verfehlt wird. „In diesem Leben nicht“, der erste von zwei Songs, in dem Gitarrenlegende Chris Spedding die Finger im Spiel hatte, zeigt sich happy und tanzbar; das Wort „nett“ dürfte den Song punktgenau beschreiben. Wo bleiben die Hits? „Altes Arschloch Liebe“ ist zumindest die erste Singleauskopplung, und als solche auch gut gewählt, zumal die Thematik und der Kontrast zwischen den ruhigen Strophen und dem knackigen Refrain zu gefallen wissen, gewürzt mit ein paar Kraftausdrücken, die den Song noch ansprechender machen.

„Schwarz/Weiß“, von Bela im Fan-Chat als zweite Single angekündigt, behandelt ein eigentlich immer aktuelles und durchaus interessantes Thema, welches sich aus dem Titel schon erahnen lässt. Die textliche Umsetzung mag etwas platt geraten sein, doch der eigentliche Trumpf ist auch die leichte Melancholie, die in der Musik mitschwingt. Am Schlagzeug saß hier übrigens Marcel Eger, eigentlich Ballsportler beim FC St. Pauli. Nun ja, warum nicht. Während das skurrile „Onenightstand“ Belas Experimentierfreude aufzeigt, ist „Ninjababypowpow“ schon wieder eine typische Starke-Frau-Hymne, die dank der titelgebenden Wortschöpfung einen schön kraftvollen Refrain erzeugt und später noch ein flottes Gitarrensolo hinlegt. Hier versprüht Bela einen Großteil der Coolness, die ihn stets umgibt. “Hilf die selbst“, gesanglich unterstützt von Belas Muse Lula, ist wieder ein schräges Experiment, das ein wenig an den alten Batman-Titelsong erinnert. Der Hit des Albums im klassischen Sinne kommt dann in Form von „Bobotanz“. Hier frönt Bela wieder seiner Liebe für Surfgitarren und kreiert derweil einen entwaffnend witzigen wie eingängigen Nonsens, bei dem es doch sehr verwunderlich wäre, wenn keine weitere Single daraus hervorginge.

Es war keine schlechte Entscheidung, die Anzahl der Balladen auf dem Album im Vergleich zum Vorgänger zu halbieren, denn so gewinnt der düstere Walzer „Liebe und Benzin“ umso mehr Leuchtkraft. Hierbei handelt es sich um ein starkes Duett mit der französischen Schauspielerin Emmanuelle Seigner, mit einer Melodie, die so gut ist, dass sich die Protagonisten am Schluss noch zu einem „lalala…“-Part hinreißen lassen. Das folgende „Als wir unsterblich waren“ ist ein hübsches Pendant zu Belas Ärzte-Song „Als ich den Punk erfand“, nur mit mehr Ernst, zumal der Berliner Punker hier großzügig aus seiner Erinnerung schöpft, die viele Musikerkollegen ansprechen dürfte. Mit „Nein!“ wird dann noch eine flotte Tanznummer ausgepackt, bevor das wunderbar kuschelige „Dein Schlaflied“ die Platte ausklingen lässt. Als Anhängsel gibt es zu guter Letzt noch etwas Spaghetti-Western-Flair, in Form von „Der Wahrheit“, in Zusammenarbeit mit Alessandro Alessandroni, einem Kindheitsfreund der Komponisten-Legende Ennio Morricone.

Zum Schluss spendet der Graf sich ganz bescheiden selbst Applaus, indem er eine Aufnahme seiner Fans einbaut, welche schon in „Rockula“ und „Onenightstand“ zum Einsatz kamen. Die Verwendung der Chöre wirkt ein wenig verschenkt, doch dafür hat Bela gut 300 Fans eine Freude gemacht, als er sie im April nach Hamburg zum Singen für „Code B“ lud. Darüber hinaus ist der Human Boss nun ein gutes Stück weiter beim Abhaken seiner To-Do-Liste, auf der die Zusammenarbeit mit so einigen großen Namen und diverse Experimente vermerkt sind. Herausgekommen ist ein sehr solides Album, das den Trommler von Die Ärzte, einen sehr charismatischen Sänger und nun auch ganz ordentlichen Gitarristen, mal wieder von einer etwas anderen Seite präsentiert. „Code B“ ist hauptsächlich kein großer Wurf, aber es ist sein Baby. Und das gönnen wir ihm einfach.

Anspieltipps:

  • Altes Arschloch Liebe
  • Bobotanz
  • Liebe Und Benzin
  • Schwarz/Weiß

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