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Cluster & Eno Cluster & Eno (Re-Release)


  • Label: Bureau B/TAPETE
  • Laufzeit: 37 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Hamburger Label Bureau B kümmert sich mit viel Herzblut um vergessene Perlen der Musikgeschichte, wobei vor allem persönliche Überzeugungen der Verantwortlichen relevant zu sein scheinen. Genau das macht die Re-Releases aus dem Hause Bureau B auch zu einer besonderen Erscheinung im Gegensatz zu anderen wiederveröffentlichten Platten. Dieses Mal sind zwei absolute Ambient-Perlen im Fundus mit dabei und zeigen Spätgeborenen wie Entdeckungsreisenden die Rolle von Hans-Joachim Roedelius, Dieter Moebius (zusammen: Cluster) sowie Brian Eno, deren Zusammenarbeit nach dem Kennenlernen auf einem Cluster-Konzert Mitte der Siebziger im ersten, in Deutschland produzierten Ambient-Album namens „Cluster & Eno“ mündete. In dreiwöchiger Schaffensphase im Studio von Conny Plank entstand darüber hinaus noch das Album „After The Heat“, welches 1978 erstmalig in den Plattenregalen Einzug hielt.

Nun aber zu Cluster & Eno, deren selbstbetiteltes Werk aus 1977 noch weit entfernt von dem war, was ca. 20 Jahre später zum zweifelhaften Begriff der Fahrstuhlmusik verkommen sollte, wohl auch, weil es zu viele einfach gestrickte Nachahmer im Ambient-Kosmos nach sich zog. Nur gut, dass generelle Zweifler auf „Cluster & Eno“ nun entdecken können, wieviel Spannung und natürliche Dramatik Ambient beinhalten kann. Im Auftakt „Ho Renomo“ formieren sich Piano-Akkorde, wunderbar dicht gewebte und mit Effekten garnierte Electronica-Landschaften, die sich nur langsam in rhythmische Gefilde begeben und dabei doch so viel Dringlichkeit erzeugen. Dazu tragen die wohl gewählten und akzentuiert eingesetzten Percussions sowie die organischen Instrumente bei, deren filigranes Spiel dem Electro-Gerüst eine markante Note hinzufügt. Wabernde Synthesizer machen die psychedelische Komponente auf diesem Album aus, um zwischen bedrohlichen Gefühlswelten und einlullendem Schönklang zu pendeln, wie „Steinsame“ mit seiner Interpretation von mitunter stark deformierten Streicher-Sounds darstellt.

Einerseits ist da die meditative Wirkung, die in ihrem Ausdruck die Kunst der Ruhe zelebriert und zu Träumen einlädt, andererseits ist auf „Cluster & Eno“ auch die stets zumindest unterschwellig vorhandene Warnung in der Musik untergebracht. Aus der Ruhe, die vor allem durch das Piano Verbreitung findet, kann so jederzeit das Grollen in Form von verstörenden Synthesizer- und Percussion-Ausbrüchen erwachen. Gerade dieser Umstand macht aus diesem Werk ein zwingendes Stück Ambient-Geschichte und ist definitiv als Pflichtkauf für jeden Genre-Liebhaber zu sehen.

Anspieltipps:

  • Steinsame
  • Selange
  • Die Bunge
  • One
  • Für Luise

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