The Cribs - Ignore The Ignorant - Cover
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The Cribs Ignore The Ignorant


  • Label: Cooperative/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 48 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Von vielen als eine der am sträflich missachtetsten Bands Englands betrachtet, sind The Cribs trotz Silber-Auszeichnung für „Men´s needs, woman´s needs, whatever“ (09/2007) ein wenig in ihrem Bandnamen gefangen. Wie superreiche Musiker und Filmstars, die ihr millionenschweres Anwesen auf MTV präsentieren, das sonst nur einige wenige Bekannte und Freunde (und schon gar nicht Susi und Hubert Jedermann) von innen gesehen hätten, ist es auch mit der Musik und den Alben des Brüdertrios Ryan (Gesang, Gitarre), Gary (Bass, Gesang) und Ross Jarman (Schlagzeug), die während der Arbeit an ihrem vierten Longplayer „Ignore the ignorant“ prominenten Zulauf von Ex-The Smiths Gitarrist Johnny Marr bekommen haben. Im Prinzip prätentiös, feingeistig und mit allerlei Zierrat ausgestattet, scheint es als wäre die weitläufige Erschließung der Kompositionen der Wakefielder nach wie vor auf einen ausgewählten Kreis limitiert, mit dem Unterschied, dass The Cribs im Vergleich zur MTV-Serie scheinbar noch nicht die richtige Wellenlänge gefunden haben um ihr Material der breiteren Masse zugänglich zu machen.

Dabei haben die Briten mit ihrem letzten Werk gezeigt, dass sich künstlerischer Anspruch mit kommerziellen Absichten durchaus verträgt, auch wenn Franz Ferdinand-Vorstand Alex Kapranos mit seiner ersten Produzententätigkeit bei einigen der sonst bockigen Indie-Rockstücke verstärkt auf die Ohrwurm-Karte mit prägnanten Riffs gesetzt und den typischen Indie-Charme der Band so etwas verrückt hat. „Ignore the ignorant“ befreit sich nun von diesem kurzweiligen Korsett und beruft sich auf das Songwriting- und Textgespür der drei Brüder. Besonders reife Früchte trägt dieser Wandel im 6 ½ minütigen „City of bugs“, in dem große, weit ausholende Gesten dominieren und der Hörer in einen Strudel melodischer Natur gezogen wird, während „Cheat on me“ mit starkem Refrain aufwartet, diesen aber nie Überhand gewinnen lässt und immer wieder in die Ausgangsposition zurückfällt.

Konnte beim Vorgänger noch vom unbedingten Willen gesprochen werden, die Indie-Ästhetik in eine massenkompatiblere Form abgleiten zu lassen, herrscht dieses Mal also konsequente Verweigerung. The Cribs scheint es vollkommen gleichgültig zu sein, wie das neue Material ankommt, da die fingerschnippenden Hooklines in der Hosentasche bleiben und nur bei Bedarf hervorgekramt werden. „Ignore the ignorant“ verfügt dadurch nicht über ständige Dringlichkeit, dafür ist es ausgeglichener, selbst wenn an wirklichen Höhepunkten gespart wurde, was nicht bedeuten soll, das die neue Scheibe der Briten vergessenswert wäre, nur eben einen anderen Schwerpunkt als die Alben davor bekommen hat.

Die Songs sind nicht mehr zackig und kantig, stattdessen lassen die Jarmans die Stücke fließen und bieten mit „Save your secrets“ einen in Traumlandschaften schwelgenden Ruhepol an, versetzen „We share the same skies“ mit ansprechendem Pop-Appeal oder jagen den Titeltrack im Schunkel-Rhythmus beschwingt durch den Äther. Keine Frage, „Ignore the ignorant“ zeigt The Cribs von einer ganz neuen Seite, die viele aufregende, einige ausbaufähige und gelegentlich schwachbrüstige Facetten zeigt, aber sich dennoch immer selbst treu bleibt. Und wenn mit dieser Einstellung eine überdurchschnittliche Platte wie die Vorliegende gefertigt wird, dann ist es im Grunde genommen egal, wie viele Einheiten davon abgesetzt werden. Hoffentlich sehen das Ryan, Gary, Ross und Neuzugang Johnny ähnlich.

Anspieltipps:

  • City Of Bugs
  • Cheat On Me
  • Save Your Secrets
  • Victim Of Mass Production

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