Bakkushan - Bakkushan - Cover
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Bakkushan Bakkushan


  • Label: Virgin/EMI
  • Laufzeit: 43 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn Deichkind proklamiert „Schmeiß die Möbel aus dem Fenster, wir brauchen Platz zum dancen“ („Remmi demmi“), dann kann man sich sicher sein, dass die Party bereits fest im Gange ist und weitere Anheizungsversuche kaum vonnöten sein werden. Bei den Mannheimern Daniel Schmidt (Gesang), Robert Kerner (Gitarre), Christian Kalle (Bass) und Jan Siekmann (Schlagzeug), die auf ihrem selbstbetiteltem Erstlingwerk ebenfalls in bester Feierlaune zu sein scheinen, sieht die Sachlage ein wenig anders aus, denn wo die Hamburger Hip Hop-Elektriker mit jeglichem Stumpfsinn ihre Anhänger finden, müssen die Vier mit Bakkushan (benannt nach einem japanischen Begriff für ein Mädchen, das von hinten hübsch, aber von vorne eher mittelmäßig aussieht) erst beweisen, dass sie blödeln dürfen. Ernst wie in ähnlichen deutschsprachigen Gruppierungen wie Tomte, Kettcar oder Tocotronic geht es auf ihrem Debüt aber trotzdem nicht zu.

Locker, leicht und unbekümmert jagt dementsprechend das Schlagzeug in „Gefahr“ durch den Raum, die Gitarre legt eine flotte Sohle aufs Parkett und Sänger Daniel ärgert sich mit spitzer Zunge über all die Angsthasen, die sich von allen möglichen Katastrophen und Krisen angestachelt zuhause verkriechen, was höchst amüsant mit „Gefahr? Na klar, vielleicht dein Nachbar“ vermittelt wird. Auch wenn es im Opener nie direkt ausgesprochen wird, Bakkushan wollen den Hörer mit ihrer Musik entführen: Raus aus dem Alltag, rein in das Leben. Das gelingt ihnen zwar nicht immer mit einem Song alleine, aber auf Albumlänge gesehen, ist die Dreiviertelstunde, welche vollgepackt mit guter Laune, Strandfeeling und Funfaktor 10 jede Fahrt im Cabrio aufwertet, auf jeden Fall eine Anschaffung wert, denn wenn eine Platte es fertig bringt nur durch die Musik strahlenden Sonnenschein zu verbreiten, dann hat die Scheibe ohne Wenn und Aber eine nicht alltägliche Wirkung erreicht.

Damit reine Spaßnummern wie „Baby, du siehst gut aus!“, „So hört sich der Sommer an“ oder „Springwut“ (die Songtitel machen eigentlich jede weitere Erklärung der darin enthaltenen Thematik überflüssig) nicht Überhand gewinnen, haben Bakkushan das grandiose, in herbstlichen Rottönen getauchte und von einer kuscheligen Wohlfühlmelodie umwobene „Lass den Sommer und mich allein“ oder den anfangs ruhigen und abrupt rockig werdenden Song „Alles wird gut“ am Start, wodurch ein zaghaft melancholischer Bogen zu der niedersächsischen Truppe Schrottgrenze gespannt wird, deren Tracks einen ähnlichen einschmeichelnden Charme besitzen wie eben jene Zwei von Bakkushan. Einziger Makel an der Feuertaufe der Mannheimer sind die auf konsequente Wiederholung getrimmten und dadurch schnell nervigen Refrains („Ein Sturm in meiner Stadt“, „Springwut“), was die Scheibe ungefähr einen Zähler in der Wertung nach unten fallen lässt, weil darunter ebenfalls das Niveau und der Wiederhörfaktor leidet. Im Großen und Ganzen ist der erste Longplayer des Vierers aber ein Must have für alle, die sich egal ob Frühling, Sommer, Herbst oder Winter ein paar Sonnenstrahlen ins Wohnzimmer holen wollen.

Anspieltipps:

  • Alles wird gut
  • Alles war aus Gold
  • Deine Helden sind tot
  • Lass die Sonne und mich allein

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