Parzivals Eye - Fragments - Cover
Große Ansicht

Parzivals Eye Fragments


  • Label: Red Farm Records
  • Laufzeit: 78 Minuten
Artikel teilen:
6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer eine Band gründet um Pink Floyd-Covers zu spielen, den wird früher oder später das Rock-Fieber packen und eigenmächtige Ausflüge in den Progressive Rock-Bereich sind beschlossene Sache. So geschehen mit RWPL, dessen Bassist Chris Postl nach den Soloausflügen von Gitarrist Karlheinz Wallner (Blind Ego) auch das Ränzlein schnürt und sich auf eine selbstständige Reise macht. Gut, ganz alleine bestreitet der Deutsche seinen Ausflug nicht, sondern übernimmt neben dem Bass auch Gitarre, Keyboard und häufig das Mikro und bringt mehrere Gaststars auf der Platte unter.

Neben Sänger Alan Reed (Pallas), Magenta-Sirene Christina Booth, Keyboarder Yogi Lang (RPWL), Gitarrist Ossi Schaller und Drummer Hannes Weigend hat sich außerdem Ian Bairnson verpflichtet, der sonst bei Alan Parsons Project in die Saiten greift. Wie dieses Zusammenspiel letztendlich klingt, ist schnell beantwortet. „Genesis gehören neben Yes, den Beatles und ELO zu meinen musikalischen Wurzeln, die ich gerne pflege“ erläutert Postl, der mit „Fragments“ also vorrangig den 70er Jahre Progrock-Fan anspricht, der genug von der sinnlosen Gitarrenwichserei mancher ähnlich gelagerter Band hat und lieber auf klare, melodisch angehauchte Strukturen mit versöhnlichen Gesangslinien steht.

Mit dem Großteil der überlangen Kompositionen auf „Fragments“ kommt Postl allerdings nicht über den herkömmlichen Tenor des Genres hinaus und verstrickt sich mit Sängerin Christina zudem in einige, nahe am Rande des Kitsch und der Beliebigkeit balancierenden Stücke („Where have your flowers gone“, „Meanings“, „Through your mind“), obwohl die Dame dem Graham Nash-Cover „Chicago“ eine wundervoll-sphärische Note verleiht, die gerne öfter angeschlagen hätte werden können. Ebenfalls störend für einen in sich geschlossenen Eindruck sind die verwässerten Gesangseinlagen, die mit etwas mehr Nachdruck dargeboten der Scheibe gleich einen viel griffigeren Touch beschert hätten.

Zwei Ausreißer aus dem Feld des Melo-Progrock gibt es mit „Signs“ und dem Titeltrack dann aber doch noch, wobei diese harte und beinahe mit metallischen Auswüchsen behaftete Ader nur in „Fragments“ positiv zur Geltung kommt, erkämpft sich dieser Song im Gegensatz zu „Signs“ nämlich durch kompromisslos harte Gitarrenarbeit und einen eigenwilligen Aufbau wohlverdient seine Lorbeeren. Kurz gesagt ist „Fragments“ keineswegs schlecht, aber für einen Meilenstein oder ein überragendes Werk des Genres reicht es mit dieser konventionellen und streckenweise zu stark aufgeweichten Herangehensweise bei weitem nicht.

Anspieltipps:

  • Chicago
  • Disguise
  • Fragments

Neue Kritiken im Genre „Prog-Rock“
Diskutiere über „Parzivals Eye“
comments powered by Disqus