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Scooter Under The Radar Over The Top


  • Label: Sheffield Tunes/EDEL
  • Laufzeit: 49 Minuten
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1/10 Unsere Wertung Legende
4.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Ja, wie geil war das denn? Spitzenvermarkter in eigener Sache war der deutsche Exportschlager Scooter schon immer, aber was Dave from Sheffield (Hans Peter Geerdes) mit seiner rechten (Rick J. Jordan) und linken Hand (Michael Simon) mit „Jumping all over the world“ (11/2007) für einen Wirbel um die allerliebsten Techno-Proleten der Welt machte, war schlicht und ergreifend rekordverdächtig. Neben dem obligatorischen Medienrummel im Heimatland, knackten Stehaufmännchen H.P. und seine Crew in Großbritannien einfach mal so über Nacht die Albumcharts, verdrängten Madonna (!!!) von Platz 1 und zeigten mit anschließender Platinauszeichnung allen Kritikern und Neidern die lange Nase. Damit war jedoch noch nicht aller Tage Abend und erst der Startschuss für eine weitere Kampagne gelegt: Bühne frei für „Hands on Scooter“!

Unterstützt von mehreren deutschen Acts drehten die Hamburger den Spieß einmal um und stopften nicht Melodien von unzähligen Klassikern oder Evergreens in ein partytaugliches Technogewand, sondern ließen sich von solch illustren Gästen wie der Bloodhound Gang („Weekend!“), K.I.Z. („Was kostet der Fisch?“), Sido („Beweg dein Arsch“), Jan Delay & Moonbootica („I´m raving“), Knorkator („Faster, harder, Scooter“) oder den Klostertalern („Friends“) in den ganz eigenen Kosmos des jeweiligen Acts zwängen, was mit Rock, Volksmusik, Electro House oder Deutschrap eine ungewohnte Richtung einschlug, aber mitunter auch wesentlich höheren Nährwert bot als der Großteil der letzten Scooter-Veröffentlichungen zusammen. Nach diesen mehr oder weniger spektakulären Erfolgen war es klar, dass eine kurze Auszeit her musste, selbst wenn diese nur aus der Wiederveröffentlichung von „Jumping all over the world“ mit der Status Quo-Kollaboration „Jump that rock / Whatever you want“ als Bonus bestand.

Nicht ganz zwei Jahre hat es also gedauert um den Nachfolger zur ehemaligen Nummer 1 in England fertig zu stellen und siehe da, die Wartezeit hat sich kein bisschen gelohnt! Okay, Scooter wären nicht die populärste Hands Up-Fraktion Deutschlands, wenn nicht ein paar Trademarks gleich geblieben wären, aber den lahmen Aufguss, den uns Wasserstoffblondel & Co. mit „Under the radar over the top“ vorlegen, hätte es ganz sicher nicht gebraucht um zu beweisen, dass die seit 1994 bestehende Truppe schon seit längerem in einer Dauerschleife gefangen ist. Da gibt es die erste Single „J´adore hardcore“, die neben obligatorischer Verwurstung eines altbekannten Songs (dieses Mal „Chase the sun“ von Planet Funk) bereits im Titel den harten elektronischen Grundbaustein der 14. Scooter-Platte unterstreicht, was in der nachfolgenden Nummer „Ti sento“ (eine Zusammenarbeit mit Sängerin Antonella Ruggiero, die für diese brachiale Neugestaltung von Matia Bazars Song gleichen Namens ins Boot geholt wurde) ohnehin bittere Gewissheit wird.

Könnte die Kritik ab diesem Punkt mit „und der Rest ist Schweigen“ beschlossen werden, wildert der Dreier schließlich völlig ungeniert im bereits seit Jahren stagnierenden Hardstyle-Sektor und legt Songs vor, die schon vor fünf Jahren (abgesehen vom Faktor die Kopie der Kopie der Kopie zu sein) nicht mehr als Gähnen hervorgerufen hätten, so muss doch festgestellt werden, dass „Where the beats...“ mit lieblicher Singstimme ob der gnadenlos fiesen Hookline einen gewissen Reiz versprüht. Überhaupt scheint der neue Grundgedanke im Hause Scooter zu sein, harte Beats mit locker-leichten Refrains zu mischen, welche aber meist mehr schlecht als recht zusammen passen, wie in „The sound above my hair“, das neben erwähntem Hardstyle, einer Prise Trance und der Melodie von Blacks „Wonderful life“ als Prototyp für die neu gefundene Verstümmelungstaktik dient.

Ein weiteres Kuriosum ist der scheinbar unstillbare Drang von Herrn Geerdes Songs zu covern, die weder zum Kanon der sonstigen Scooter-Veröffentlichungen passen, noch auf seine unterdurchschnittlichen Gesangskünste zugeschnitten sind. Waren es auf „Mind the gap“ (11/2004) Depeche Mode, die es mit „Stripped“ getroffen hat und musste vor zwei Jahren Sisters Of Mercys „Marian“ dran glauben, ist es dieses Jahr „Second skin“ von The Chameleons. Mit Synthesizer-Loops aufgepeppt und von H.P. ruhig vorgetragen, entwickelt sich die Nummer zwar zu keinem totalen Desaster, gut ist die Version damit aber noch lange nicht. Somit ist „Under the radar over the top“ in der Diskographie der Hamburger ohne mit der Wimper zu zucken am unteren Ende einzuordnen, da dieses Jahr einfach nur Statusverwaltung ohne nennenswerte Updates vollzogen wurde und selbst der Gute-Laune-Faktor stark darunter leidet. Wie die Platte international in den Charts abschneiden wird, ist da noch der spannendste Aspekt am 14. Album von Scooter.

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