Voicst - A Tale Of Two Devils - Cover
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Voicst A Tale Of Two Devils


  • Label: Goodbusy Records
  • Laufzeit: 37 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Es ist eine Weile her, dass ein Album bei seinen ersten Klängen dafür gesorgt hat, dass der Rezensent dachte: Wow! Wie heißt diese Band noch mal? Voicist? Debütalbum? Niederlande? Aufnahme in New York? Deutschland-Debüt? Ganz ruhig! Tief durchatmen! Schluss mit den Ausrufezeichen!!! Bei aller Pop-Rock-Klasse, die da niederprasselt, nützt es nichts, jetzt auszuflippen, wenn wir ein paar Worte über Tjeerd Bomhof (Gesang, Gitarre), Sven Woodside (Bass, Gesang) und Joppe Molenaar (Schlagzeug), auch bekannt als Voicist, verlieren.

Ob es Langeweile, eine fixe Idee oder ein Schicksalswink war, dass der Dreier aus den Niederlanden sich irgendwann entschloss die USA zu besuchen, weiß heute wohl keiner mehr, außer den Jungs selbst. Nur im Heimatland bekannt zu sein und zu touren war wohl nicht genug. Es wurde Zeit für Entwicklung und wo, wenn nicht im Bombastenland in Übersee? Gastmusiker en masse und Peter Katis (u.a. Interpol) als Produzent waren der Lohn für die Mühen und eine Garantie, sich dem internationalen Stil anzupassen. Ganz ohne Label wird das Album finanziert so eigenwillig wie dieses Unterfangen, sind die Untertöne in der facettenreichen Rockmusik, die sich erfrischend abheben.

In den Vereinigten Staaten von Amerika durften Musikbegeisterte sie als Vorbands von Patrick Watson oder auch Tenacious D bewundern. Hier zu Lande waren sie bisher nur auf Großevents zu sehen, aber diesen Herbst kommt es zur ersten Tour. Da macht sich ein Radiosong der guten Sorte wie „High As An Amsterdam Tourist“ genau richtig zum Einstieg. Die Elektroeinschübe und die Einsätze von diversen Akustikinstrumenten (über das gesamte Album verstreut) sorgen für den Klang, der die Menge spalten wird. Schon Keane bewiesen auf ihrem letzten Output mit „Better Than This“, dass quietschbunte Töne massenkompatibel sind. Was ist da schon ein gepitchtes Banjo?

Aber endlich zur Musik: So erfrischend das Gesamtbild des Openers ist, die wahre Stärke liegt im Refrain, der eine Hookline zum Niederknien und Sofortauswendiglernen anbietet. Hier liegt auch das Hauptaugenmerk der Gruppe: Es sollen Sing-A-Longs entstehen, die den Hörer fesseln. So ist man schnell auf der sicheren Seite und Voicist beweisen, dass das in manchen Fällen schon reicht, um aus einem Durchschnittstrack eine gute Nummer zu machen. „Feel Like A Rocket“ zum Beispiel lässt die besondere Melodie erst vermissen, bis der Chorus und tatkräftige Bläserunterstützung kommt. Schon ist der Track gerettet. „Feeling Explode“ bleibt dank einprägsameren Riffs schneller im Kopf, ist aber nichts Neues.

Da doch lieber ein „Aha Erlebnis“ im wahrsten Sinne des Titels. Bläser und Klavier sorgen für ein mehr als untypisches Intro, bis Gitarre und Schlagzeug andeuten dürfen, dass es sich hier um einen Rocksong handeln soll. Die Bläser und die Synthesizer lassen sich jedoch nie vertreiben und sorgen dafür, dass das Lied nie langweilig wird. Spätestens die Mundharmonika ist dann der Beweis, dass man sich mit diesem Album groß Indie auf die Fahnen geschrieben hat. „A Year And A Bit“ ist dann der Schlag ins Gesicht für Razorlights ideenloses „Wire To Wire“. Voicist schaffen es sogar noch den Track glaubhaft ins lebhafte, fröhliche zu wandeln.

Für die folgenden nächsten drei Tracks würden andere Bands töten und Voicist haben auch noch die Dreistigkeit mit Hilfe der Elektronik dafür zu sorgen, dass die Lieder beinahe kindisch wirken. Wer sich aber auf diese Art von Musikuntermalung einlassen kann und will, der wird mit herrlich bunten Liedern wie „Everyday I Work On The Road“ samt Südlandriff gesegnet. Der einzige Schwachpunkt des Albums ist wohl die Ballade „Second Blow“, die nicht zündet und auch nicht vor Ideen überschäumt. Irgendwie sind die Jungs stärker darin, das Lebendige darzustellen. Mit dem Opener, eben genannten Track und „Feelings Explode“ bekommt man auch noch drei waschechte Ohrwürmer mitgeliefert. Und wer sich an den Ska-Einlagen der Bläser erfreut, wird auf diesem Album mit Sicherheit satt (z.B. „Mixed Words“), bis „Two Devils“ das Album nach unterhaltsamen 37 Minuten abschließt. Und wie? Mit einer Minimal-Nummer, die mit den berühmten drei Akkorden auskommt und jeden zumindest zum Mitsummen bringen wird. Gleich noch mal?

Anspieltipps:

  • High As An Amsterdam Tourist
  • Feelings Explode
  • Everyday I Work On The Road

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