Polite Sleeper - Lake Effect - Cover
Große Ansicht

Polite Sleeper Lake Effect


  • Label: Expect Candy/CARGO
  • Laufzeit: 40 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

„Lake Effect” oder „Wie eine sympathische Band die Höhe- und Knackpunkte verpasst”. Dies ist der Titel des Debüts der Gruppe aus Brooklyn, die ihren Stil als „Folk Mess“ beschreibt, wobei allein die R.E.M.-Gedächtnisstimme des Sängers und sporadische Einsätze von Synthies für ungewohnte Klänge sorgen. Gitarre, Schlagzeug und Piano kuscheln sich dagegen nämlich schon fast an den Hörer. Im Gegensatz zu ihrer Anfangszeit, so heißt es von Seiten der Bandmitglieder John Orlovich, Tim Wilson und Michael Curtis habe man sich stark reduziert. Vielleicht passt auch deswegen die Beschreibung „Folk Mess“ nicht mehr so richtig.

In gerade einmal fünf Tagen nimmt die blutjunge Gruppierung ihren ersten Langspieler „Lake Effect“ auf und mit neun Liedern und ziemlich genau 40 Minuten ist zumindest die heutige Mindesthürde genommen. Ob man aber an Genre-Größen wie Arcade Fire und The Decemberists anschließen kann und will, ist fraglich. Wie gesagt hört man in Ansätzen, gerade im Opener „These Are Not Fall Colors“, dass die Band ihr eigenes Ding drehen will. Wirklich gelingen tut es allerdings nicht. Zu abgeschliffen klingt dafür der Sound zu viele Referenzen ergeben sich. Auch ein „Driving Ohio“ gibt einem zwar dieses unvergleichliche Indie-Feeling durch die Lo-Fi-Background-Vocals, aber gehört hat man das schon mal und JA, genau so.

Etwas Neues erwartet uns also nicht, aber das muss nicht enttäuschen und darf den Hörer nicht täuschen: Die drei jungen Männer aus Übersee schaffen es, den Geist ihrer Musik einzufangen und landen am Ende wohl am ehesten in der Schublade des Songwriter-Folks. Sie machen ihre Sache gut und abgeklärt, phasenweise sogar zu abgeklärt und verpassen es, den Liedern Höhepunkte zu verleihen. Es fehlen die Momente in den Stücken, die man beim zweiten Hören herbeisehnt. So gibt sich die Musik der „Polite Sleeper“ wirklich zu höflich und ist in ihrer Ruhe zwar kein Einschlafmittel, limitiert sich jedoch durch oft fehlende Abwechslung. Da kommt ein richtig lebendiges „So Serious“ schon mal zu spät und auch hier sucht man nach Ausflügen nach oben vergebens.

„Lake Effect“ ist das süße kleine Album, das weder durch Kritiker noch durch einen Hit in die heimischen Plattensammlungen finden wird und wenn doch, wird es verdammt schwer, die Indie-Schwergewichte zu vertreiben. In einer Phase der Wiederkehr der ruhigen Folklänge sind wir nicht mehr, wie „Hazard Of Love“ der Decemberists eindrucksvoll unter Beweis stellte. Eigene Ideen sind hier zu selten und lassen das Album wahrscheinlich im Niemandsland der Plattenregale im Großmarkt verschwinden und vorher verstauben.

Anspieltipps:

  • These Are Not Fall Colors
  • Driving Ohio
  • So Serious

Neue Kritiken im Genre „Indie-Rock“
6.5/10

Niente
  • 2017    
Diskutiere über „Polite Sleeper“
comments powered by Disqus