Malika Ayane - Malika Ayane - Cover
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Malika Ayane Malika Ayane


  • Label: Sugar Music/Rough Trade
  • Laufzeit: 49 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Sängerinnen gibt es wie Sand am Meer. Sänger auch, das ist wahr, aber irgendwie erinnert man sich an die Stimme eines Michael Bublé oder eines Robbie Williams eher, als an jene einer Beyoncé (in Popsongs klingt sie wie jede zweite mehr oder minder bekannte Pop-„Größe“) oder Marit Larsen, die zurzeit kräftig von einem TV-Sender promotet wird. Die Wahrheit sieht aber so aus, dass die meisten Menschen wohl nur Madonnas Stimme auf Anhieb erkennen. Wir deutschen Hörer hatten mit Sandra Nasic auch eine Stimme, die einzigartig wahr. Der ganz große Erfolg, wie auch die ganz große Musik blieb hier allerdings aus.

Wo sind die Stimmen, die betören? Auf Anhieb fallen mir Sia, Vanessa da Mata und Lisa Hannigan ein. Solche Stimmen erkennt man. Dann vielleicht noch Sarah Görsch aus Schweden, die allerdings noch weniger Leuten bekannt ist, als vorige Namen. Leider. Große Hoffnungen der weiblichen Songwriterszene wie Dido verabschieden sich still und leise und keiner weiß warum? Na, wahrscheinlich weil wir Woche für Woche mit neuen, ach so tollen Künstlerinnen bombardiert werden und man schnell und schneller den Überblick verliert. So ist eine Kate Nash, eine Sängerin mit einer etwas eigenständigen Stimme, die positive Ausnahme in diesem Gewirr.

Jetzt flattert also der nächste Name durch den Briefschlitz: Malika Ayane. Die geborene Italienerin mit marokkanischem Vater ist die neue große Entdeckung aus Bella Italia und soll gut vermarktet werden. Die Geschichte mit der ansprechenden Stimme und dem tollen Aussehen kennen wir durch Casting-Shows ja zur Genüge. So hat die junge Dame mit dem schönen Namen auch nur zwei Liedtexte selber verfasst. Immerhin etwas, wenn man bedenkt, dass die Kaulitz-Brüder auf dem zweiten Album nur ein Lied aus eigener Feder zu bieten hatten. Es ist ja auch kein muss, seine Texte selbst zu schreiben. Wenn die Ideen glaubwürdig und klug verarbeitet werden, die der Text hergibt (nicht so wie Rihanna bei „Umbrella“), dann stört es nicht die Bohne, wer den Text schrieb.

Der musikalische Stil der Platte wird irgendwo zwischen niedlich verträumt und anmutig erwachsen gehalten. Sprich: Irgendwo im Nirgendwo! Da sind eben noch Streicher die Begleiter der omnipräsenten, dezenten Gitarre und dann lustige Synths, wie in „True Life“. Gute-Laune-Musik à la „Feeling Better“, das wie für das Radio geschrieben ist, ist ebenso vertreten, wie nachdenkliche Balladen, die sich als geschliffene Diamanten präsentieren („Blue Bird“, „Il Giardino Die Salici“). Diese Balladen, sowie auch die durch E-Gitarre und Schlagzeug aufgemotzten Radiolieder, die das Album dominieren sind – wie erwartet – geschliffen, bis eigentlich nicht mehr als langweilige Murmeln übrig bleiben und keine Edelsteine mit geschliffenen Kanten. Allein die ausdrucksstarke Stimme Malikas hebt das Niveau auf ein ansprechendes Level.

Malika Ayane ist jetzt schon eine Musikerin am Scheideweg: Sie wird entweder eine kleine Puppe der italienischen Rundfunkindustrie oder entschließt sich das Ruder selbst in die Hand zu nehmen. Tut sie das nicht, dann werden wir in Deutschland kaum noch etwas von ihr hören und in Italien wird dann auch nicht mehr als „moderner Schlagersänger“ als Prädikat drin sein. Der Bonus Track, das verzuckerte „Over The Rainbow“, lässt nicht unbedingt hoffen. Ah, jetzt ist mir noch eine eingefallen: Aimee Mann!

Anspieltipps:

  • Someday
  • Il Giardino Dei Salici
  • Soul Waver

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