Juli Zeh Und Slut - Corpus Delicti - Cover
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Juli Zeh Und Slut Corpus Delicti


  • Label: Strange Ways/INDIGO
  • Laufzeit: 57 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Für eine besondere Zusammenarbeit und eine Mischung aus Hörspiel, Soundtrack und Art-Pop fanden die Schriftstellerin Juli Zeh und die deutsche Indie-Pop Band Slut zusammen. Was nun als „Corpus Delicti“ auf CD erscheint und im Herbst auch live aufgeführt wird, ist der Beweis, wie gut Hörspiel und Musik eins werden, ohne die Musik nur als bloßes Beiwerk zu sehen. Während sich Slut mit sieben neuen Songs präsentieren und ihre Theater-Erfahrung mit Brechts Dreigroschenoper („Songs aus der Dreigroschenoper“, 2006) nun um die Vertonung des Romanes von Juli Zeh ergänzen, welcher auch schon auf der Theaterbühne präsentiert wurde, spielt die Story im Jahr 2057 und erweist sich als düsteres Drama, in dem die Themen aus gläsernem Bürger, scheinheiligem Gesundheitswahn und Diktatur vorherrschen.

Was man als Science Fiction-Thriller einordnen kann, hat deutliche Bezüge zur aktuellen Politik, vor allem der viel diskutierten Bereiche aus Überwachungsstaat und Zusammenbruch des Gesundheitssystems. Für die spannende, auch losgelöst von der aktuellen Politik, mitreißende Umsetzung sind neben Slut und Juli Zeh auch die Sprecher Helene Grass, Gunter Heun sowie Jan Carlos Wittmer verantwortlich. Diese formten ein Werk, welches als musikalische Untermalung eindeutig nicht funktioniert und die gesamte Aufmerksamkeit des Hörers fordert. Die Hauptausrichtung liegt ganz klar auf dem Hörspiel und der damit verbundenen düsteren Geschichte um Mia Holl, die vor Gericht eines auf Gesundheitsgesetzen basierenden Staates steht. Es geht ihr um den Beweis, dass ihr aufgrund einer Vergewaltigung verurteilter Bruder nicht schuldig sei.

Spannung stellt sich auf jeden Fall ein, weil die Story einiges an Schikanen und Dramaturgie zu bieten hat, wobei die Musik von Slut das Geschehen wunderbar unterstützt und mit dem teils orchestralen, teils keyboard-lastigen oder an Percussions orientierten Art-Pop genau das Fiktive, trotzdem nicht Abwegige, Dunkle in der Geschichte trifft und dieses mit Atmosphäre unterstreicht. So variantenreich und akribisch ausgearbeitet der Pop von Slut auch ist, so zerrissen wirkt des öfteren die Umsetzung der Text-Passagen. Zu viele Stimm-Effekte trüben die Sicht auf das Wesentliche, d. h. auf das eigentliche Geschehen, nicht selten und lassen zu der Erkenntnis kommen, dass man lieber der gelockerten Machart eines Hörbuches hätte folgen sollen. Ansonsten machen Slut ihre Sache überaus gut und stehen auf der gleichen Stufe wie die gelungene Geschichte von Juli Zeh.

Anspieltipps:

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  • Mörder
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