Krypteria - My Fatal Kiss - Cover
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Krypteria My Fatal Kiss


  • Label: On Fire/WEA
  • Laufzeit: 56 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit dem Gothic Metal ist das so eine Sache. Die einen wollen ihn lieber möglichst bombastisch und mit viel sinfonischer Unterstützung, während die anderen romantische, schön gesungene und träumerische Kompositionen erwarten. Wie dem auch sei, für einen allgemein positiven Eindruck kommt es vor allem auf die Mischung drauf an und wie gut die Summe der einzelnen Teile ihre Wirkung entfacht. Die anfänglich stark musicalorientierte Truppe Krypteria, die erst mit der Benefizsingle „Liberatio“ für einen guten Zweck in den deutschsprachigen Ländern in den Charts mitmischen durfte, hat es sich seit dem Einstieg der Koreanerin Ji-In Cho (Gesang, Piano) und dem Album „Bloodangel´s cry“ (01/2007) zur Aufgabe gemacht im Goth-Sektor Fuß zu fassen und rettete diesen Vorsatz beim letzten Mal noch gerade mal so in den positiven Bereich, da, wie Kollege Reichel richtig bemerkte, „nur wenige Gründe“ für weitgreifende Lobhudeleien vorhanden waren.

Drei Jahre später heißt es nun den leicht überdurchschnittlichen Eindruck zu wiederholen, wenn nicht sogar auszubauen. Nach dem äußerst wuchtigen und mit allerlei Effekten ausgestatten Opener „Ignition“ wandelt Krypteria zwar bereits auf dem schmalen Grat zwischen Bombast und Ballast, aber die wandlungsfähige Stimme der Sängerin, die sowohl sirenenhafte Silben von sich gibt als auch die abgebrühte Rockröhre mimt, kämpft mit der richtigen Einstellung gegen die harten Riffs von Gitarrist Chris Siemons und den donnernden Argumenten von Bassist Frank Stumvoll und Drummer S.C. Kuscherus an. Zumindest was diesen Song anbelangt, denn ab dem Titeltrack kleistern Krypteria ihre Kompositionen dermaßen unkontrolliert mit allerlei Beiwerk zu, dass gleich mehrmals die Skip-Taste zum Einsatz kommt.

Am schlimmsten sind die Nummern („My fatal kiss“, „Deny“, „Shoot me“, „Headfirst into a sea of flames“), wo mehr oder weniger mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird, was sich an der Mischung aus metallischer Instrumentierung mit zurückhaltendem Gesang und zaghaften orchestralen Elementen bemerkbar macht. Dort stimmt einfach gar nichts und selbst die nett gemeinte Laut-Leise-Dynamik wird bis zum Äußersten ausgereizt. Abgesehen von diesen schwachen Vorstellungen präsentiert die deutsch-koreanische Formation nebenbei noch einschläfernden Balladenkitsch („God I need someone“), eine stimmliche Berg- und Talfahrt, die letzten Endes in Gejammer ausartet („The freak in me“), betritt mit „Never say die“ stark ausgetrampelte Pfade des Genres und schmeißt mit „Why (did you stop the world from turning)“ sogar eine ganz ordentliche Powerballade ins Rennen, die durch den langen Soloteil gegen Ende für geschwungene Kopfmatten und mit dem hymnischen Refrain für gezückte Feuerzeuge sorgen dürfte.

Nichtsdestotrotz bleibt von „My fatal kiss“ nicht viel über, was besonders positiv hervorgehoben werden könnte, da sich der Vierer meist im Bereich des Zitats und der Anpassung an die Gepflogenheiten des Genres befindet. Wenn Krypteria mit dem nächsten Longplayer nicht wirklich eine essentielle Neuausrichtung über sich ergehen lassen oder zumindest an einer stimmigeren Basis für ihre Songs arbeiten, heißt es wohl bald nicht nur wie im Titel des Albumenders „Too late, game over & goodbye“!

Anspieltipps:

  • Ignition
  • Dying To Love
  • Why (Did You Stop The World From Turning)

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