Alice In Chains - Black Gives Way To Blue - Cover
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Alice In Chains Black Gives Way To Blue


  • Label: Virgin/EMI
  • Laufzeit: 54 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Alice In Chains haben weit mehr drauf, als „nur“ breitbeinige Rocker zu geben.

Alice In Chains sind wieder da! Aber dürfen die das eigentlich? Nach 14 Jahren Funkstille (!!) einfach so zurückkommen, obwohl der im April 2002 im Alter von nur 35 Jahren verstorbene Sänger Layne Staley mit seiner charismatischen Stimme und seiner abgründigen Ausstrahlung nicht ersetzbar ist? Wie soll das funktionieren und riecht das nicht schwer nach Ausverkauf? Wie oft sind solche Comebacks böse in die Hose gegangen und beschädigten das Ansehen der Protagonisten? Fragen über Fragen, die nur geklärt werden können, wenn man sich dem neuen Alice-In-Chains-Album „Black Gives Way To Blue“ ausführlich widmet.

Alice In Chains hatten unter allen Grunge-Bands der 90er Jahre einen unverkennbaren Sound, so wie AC/DC im Hardrock oder Iron Maiden im Heavy Metal, der auf dem Gesang von Layne Staley und den markanten Gitarrenriffs von Jerry Cantrell aufbaute. Aus diesem Grund muss davon ausgegangen werden, dass die Fans (und wohl auch alle anderen) genau diese Markenzeichen erwarten, wenn sie eine Alice-In-Chains-Platte kaufen. Deshalb liegt die größte Last auf den Schultern des neuen Sängers William DuVall, der natürlich seine eigene Persönlichkeit einbringen muss, aber bitteschön auch irgendwie nach Layne Staley klingen sollte. Ein Drahtseilakt, an dem ein Künstler eigentlich nur scheitern kann.

Die Messer waren bereits gewetzt, um Jerry Cantrell (Gitarre), Sean Kinney (Drums), Mike Inez (Bass) und Herrn DuVall ganz schnell wieder in die Wüste zu schicken. Doch die Sensation ist perfekt: „Black Gives Way To Blue“ macht der Geschichte von Alice In Chains in allen Bereichen Ehre! William DuVall tritt mit aller Macht in die Fußstapfen von Layne Staley und liefert eine brillante Vorstellung ab. Dabei ähnelt seine Stimme der seines Vorgängers so sehr, dass Bedenken schon nach kürzester Zeit ad acta gelegt werden können. Und auch das zweite Markenzeichen der Seattle-Rocker ist erhalten geblieben. Die Songs sind nach wie vor von einer tief-melancholischen Grundstimmung durchzogen, die zusammen mit den gebetsmühlenartigen Riffs von Jerry Cantrell auf Anhieb Gänsehaut erzeugen.

Die Produktion von Nick Raskulinecz (u.a. Foo Fighters, Coheed And Cambria, Rush) tut ein Übriges, um „Black Gives Way To Blue“ als überaus gelungenes Album durchzuwinken. Denn mit über 17 Millionen verkauften Tonträgern und elf Top-10-Singles zählten Alice In Chains seit jeher zum Grunge-Mainstream, den man nicht mit einem dünnen Indie-Sound ins Rennen ziehen lässt. Entsprechend wuchtig und satt klingen Tracks wie der schleppende Opener „All secrets known“, das hitverdächtige „Check my brain“ oder das mit Metal-Riffs prahlende „Last of my kind“.

Damit sind die Claims gleich zu Beginn abgesteckt. Doch Alice In Chains haben weit mehr drauf, als „nur“ die breitbeinigen Rocker zu geben. Das halb-akustische „Your decision“ kratzt erstmals leicht am typisch schwermütigen AIC-Sound, fällt aber etwas zu poppig aus. Nach dem aggressiven „A looking in view“ erfüllt die akustische Düster-Ballade „When the sun rose again“ mit Harmoniegesang und perkussiver Grundlage den alten Emo-Standard dagegen schon besser. Und erstmal in Fahrt gekommen, zieht das doomige „Acid bubble“ die Stimmungslage noch stärker ins Depressive. Doch am Ende scheint wieder die Sonne, wenn als Schlusspunkt die schöne Pianoballade „Black gives way to blue” (übrigtens mit Elton John am Klavier!) glänzt, die einen zufriedenen Hörer zulässt.

Auch wenn vielleicht zwei, maximal drei Songs etwas gewöhnlicher ausfallen, können keine gravierenden Ausfälle vermeldet werden, da sämtliche Kompositionen Herz und Seele besitzen und ebendiese Körperregionen berühren. Mit diesem Comeback-Werk melden sich Alice In Chains eindrucksvoll zurück, ohne das Denkmal Layne Staley zu beschädigen. Eine wahrhaft große Tat!

Anspieltipps:

  • Private hell
  • Check my brain
  • A looking in view
  • Black gives way to blue
  • When the sun rose again

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