Paradise Lost - Faith Divides Us - Death Unites Us - Cover
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Paradise Lost Faith Divides Us - Death Unites Us


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 46 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Hoffen wir, dass uns Holme & Co. in diesem Zustand noch lange erhalten bleiben.

Kinder der Fröhlichkeit waren die Briten von Paradise Lost ja noch nie, aber die dunklen Schatten, die ihr zwölfter Longplayer „Faith divides us / Death unites us“ wirft, sind auf einem neuen tiefschwarzen Höhepunkt angelangt. Ohne auch nur eine Sekunde vom neuen Werk gehört zu haben, gibt alleine das Durchblättern des Booklets Aufschluss über die neu gefundene Düsternis im Oeuvre von Nick Holme (Gesang), Greg Mackintosh (Gitarre), Aaron Aedy (Gitarre), Steve Edmondson (Bass) und Adrian Erlandsson (Schlagzeug): Da lächelt einen vom Cover ein Holzschnitt des Renaissancemalers Hans Holbein an, in dem ein Abt einen verzweifelten Todestanz aufnimmt, auf Seite 3 reiten die „Four horsemen“ (also die apokalyptischen Reiter aus dem Buch der Offenbarung) im bekannten Holzschnitt von Albrecht Dürer als Boten des nahenden Weltuntergangs über die Erde und letzten Endes darf ein Ausschnitt einer Gravur aus den Nürnberger Chroniken die Vernichtung der Bücherei von Alexandria bebildern.

In musikalischer Hinsicht äußert sich dieser dreiteilige Themenkreis um Tod, Zerstörung und Apokalypse in zehn atmosphärisch dichten Stücken, deren großteils schleppender Gestus den Hörer sofort bei der Gurgel packt und erst ganz am Schluss wieder loslässt. Paradise Lost wären aber nicht dafür bekannt sich ständig weiter zu entwickeln, wenn „Faith divides us / Death unites us“ nicht auch um ein paar neue Facetten erweitert worden wäre. Fans wird der stete Wandel zu einem immer härteren Klangbild weg vom elektronischen Experiment seit der selbstbetitelten Scheibe von 2005 sicherlich schon aufgefallen sein und mit der neuen Platte offenbart diese langsame Rückkehr zu den Wurzeln geradezu perfekte Triebe. Schon „As horizons end“ vollzieht einen andächtigen Spagat zwischen bratenden Slow Motion-Riffs, melancholisch vorgetragenen Lyrics und hervorragend in Szene gesetzter Dramatik mit abschließend aufbäumenden Finale.

Das nachfolgende „I remain“ schlägt einen etwas anderen Weg ein und fasziniert neben rhythmischen Drumpatterns vor allem mit einem wunderschön gesungenen Chorus, der sofort im Gedächtnis haften bleibt. Abgelöst vom einzigen Durchhänger „First light“, der lediglich die Grundessenz der ersten beiden Stücke in einen Topf wirft und leicht umrührt, läutet die schon etwas stärker in die Pedale tretende Nummer „Frailty“ und der von Vergänglichkeit umwobene Titeltrack die makellose zweite Hälfte ein. Schon „The rise of denial“ entzückt mit unwiderstehlichem Groove, während „Living with scars“ als hakenschlagende Breitseite bedrohlich aus den Boxen bricht und sowohl das gedrosselte „Last regret“ und der wieder an Fahrt aufnehmende „Universal dream“ dem Gothic Metal der Briten mit Doom- bzw. Rock-Anleihen eine frische und ungezwungene Note verleiht.

Etwas hin- und hergerissen beenden Paradise Lost mit „In truth“ dann ihren neuen Instant-Klassiker, verfügt die Nummer schließlich weder über einen exponierten Höhepunkt, noch werden hier irgendwelche Genregrenzen überschritten. Der Song ist eher atmosphärische Studie denn eine vollständig zu Ende gedachte Komposition, besitzt aber gerade wegen seiner ungeschliffenen Art einen ganz eigenen Charme. Sicherlich nicht jedermanns Sache, aber schlecht auf keinen Fall. Was bleibt nach dieser und der Vorstellung von vor zwei Jahren mit „In requiem“ (05/2007) also noch zu sagen außer: Paradise Lost sind, waren und bleiben (zumindest nach derzeitigem Standpunkt) eine einzigartige, musikalische Erfahrung. Unerschütterlich wie ein Fels in der Brandung, legt der Fünfer ein weiteres, hochkarätiges Album vor und erfreut sich bester Gesundheit. Hoffen wir, dass uns Holme & Co. in diesem Zustand noch lange erhalten bleiben.

Anspieltipps:

  • Frailty
  • I Remain
  • Last Regret
  • Universal Dream
  • The Rise Of Denial

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