AFI - Crash Love - Cover
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AFI Crash Love


  • Label: Interscope/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 43 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Geld verdienen und große Stadien füllen werden sie wohl auch diesmal, zumindest ist kein Grund ersichtlich, warum sie es nicht sollten.

Autsch. A Fire Inside haben tatsächlich einmal harten, kompromisslosen, genuin kalifornischen Punkrock mit Hardcore-Anleihen gemacht. Wo sie inzwischen stehen, dürfte mehr Menschen bekannt sein, als wo sie mal standen; der Rezensent registriert überraschend, recherchierend, dass der Vorgänger zum nun vorliegenden 8. Studioalbum ein reguläres amerikanisches Nummer-Eins-Album war. Wie virulent dieser Emo-Erreger ist, mit seinen schäbig-rudimentären Punkrock-Versatzstücken, vergessen nicht mehr ganz so junge Generationen scheinbar allzu leicht.

Geld verdienen und große Stadien füllen werden sie wohl auch diesmal, zumindest ist kein Grund ersichtlich, warum sie es nicht sollten. Revenge and rebellion im MTV-Gewand; wir tragen alle eine so dunkle, traurige Seele mit uns herum; ich würde so gerne aus allem ausbrechen, aber im wahren Leben reicht es nur für Piercings, Tattoos und schwarze Haarfarbe, denn ich bin „Too Shy To Scream“ (wirklich wahr, so nennen sie einen ihrer Songs!): dies, dies alles ist Emo und sind AFI im Jahre 2009. Aber gut, in Europa ist der Bekanntheitsgrad noch deutlich steigerbar, die Gefühle der Songverantwortlichen dürfen noch einige Jahre mehr auf dem Stand eines/einer 14-jährigen verweilen.

Wie man es dreht und wendet wird es nicht besser. Sänger Davey Havok laut Waschzettel: „Das Album handelt viel von der großen Anziehung von privaten Intimitäten, die einen eigentlich nichts angehen, und dem Verlust des Glaubens, man könne alleine die gesamte Welt beeinflussen. Dieser Verlust ist erstrebenswert. Man sollte sich nicht dagegen wehren.“ Autsch. Wie alt ist Havok gleich? Bald 34. Ohne Worte.

Wie nur brüskiert man diese Art der Musik eigentlich? Wenn so viele Menschen in den USA und woanders sie lieben, sich nach ihren Protagonisten gemäß kleiden und zutiefst glauben, dies sei gelebte Subkultur. Ein bisschen Power-Pop-Punk hier („Veronica Sawyer Smokes“), ein bisschen typischer Singalong-Emo dort („Beautiful Thieves“), beängstigend gar, wie sehr einem die Argumente entweichen, je öfter man es hört. Der Effekt fast jeder radiotauglichen Auf-und-Ab-Melodie-Musik. Immer nur zwei Schemen: Emphase aufbauen, Emphase in stiller Ewigkeit konservieren. Musikvideos mit close-ups und zoome-outs kann man dazu gut drehen. Falsch machen sie also nichts, sie werden Fanherzen erfreuen und Platten verkaufen, zumal sie auf „Crash Love“ auf Keyboards, Synthies und Soundwände verzichten und zurück zu handgemachterer Musik kehren. „I Am Trying Very Hard To Be Here” wird bestimmt ein Hit, wenn nicht hier, dann in Übersee. Und mit „Cold Hands“ erwischen sie am Ende sogar ein paar Riffs, die fast authentische Härte verkörpern und dahintersteckende Probleme ventilieren. Nein, diese Musik kann man nicht demaskieren, es sind zu viele die ihr folgen. Viel zu viele.

Anspieltipps:

  • Cold Hands

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