Esbjörn Svensson Trio - Retrospective: The Very Best Of - Cover
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Esbjörn Svensson Trio Retrospective: The Very Best Of


  • Label: Act/EDEL
  • Laufzeit: 75 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Das letzte sehr experimentelle und improvisierte Kapitel vom Esbjörn Svensson Trio (E.S.T.) durften wir letztes Jahr mit „Leucocyte“ bestaunen. Posthum, denn Esbjörn ist bei einem Tauchunfall am 14 Juni 2008 in der Nähe von Stockholm ums Leben gekommen. Das Album war bereits aufgenommen, fertig und kurz vor der Veröffentlichung. So ist „Leucocyte“ zum Vermächtnis des mit 44 Jahren verstorbenen Pianisten geworden. Eines, das die Welt überrascht hat.

Jetzt bekommen wir die Inhaltsangabe zum Gesamtwerk dieser für den Jazz besonders wichtigen Band. Sie waren es, die denn Jazz wieder ans junge Publikum geführt haben, die Grenzen und Konventionen des klassischen Akustiktrios gesprengt haben, eine Melange aus ruhigen Pianoklängen, dröhnenden Basstönen, improvisierten Passagen mit treibendem Schlagzeugspiel und einigen elektronischen Zutaten kreierten und den Jazz in die Moderne führten. Ihre Musik ist nämlich nicht einfach als Jazz abzustempeln. Svensson selbst sagte einmal, dass sie eine Popband sind, die Jazz spielen. Und das ist nicht das einzige Genre, das man in ihren Stücken wieder findet.

Auf diesem Best-Of-Album bekommen die ersten Alben von E.S.T. keine Repräsentation. Erst ab dem Durchbruchsalbum „From Gagarin's Point Of View“, das als erstes außerhalb der schwedischen Landesgrenzen erschien, fängt der von den beiden übrigen Mitgliedern Dan Berglund und Magnus Öström zusammengestellte musikalische Überblick an. Jedes Album außer das letzte ist mit zwei Stücken vertreten. Dabei fehlen Klassiker wie das stark improvisierte „Dodge The Dodo“ und das sich bis zum überraschenden Ende entfaltende „Behind The Yashmak“ genauso wenig wie das elektronisch verspielte „Spam-Boo-Limbo“, das ruhig dahin treibende „Seven Days Of Falling“ oder das vielfältige „Dolores In A Shoestand“. Die Schweden erzählen dabei im Booklet von der Entstehung der Alben und interessante Anekdoten, wie den versteckten Titeln, die seit „Strange Place For Snow“ zur Tradition wurden.

Geschmäcker sind bekanntlich verschieden und so würde nicht jeder dieses oder jenes Stück aussuchen. Aber die beiden verbliebenen Musiker haben die schwierige Aufgabe elegant gemeistert und eine unglaublich stimmige Platte gebastelt, die diese nachdenkliche von Melodien durchzogene Stimmung ihrer Musik darstellt. So als ob dieses Album genau so zusammengehört und nicht fast elf Jahre des gemeinsamen Musizierens umspannt. Einzig die verkürzte Radioversion von „Leucocyte“ passt nicht wirklich zum Rest. Nicht nur, dass die Aufnahme lauter als der Rest ist, so ist dieser rein improvisierte, fast schon aggressive Charakter mit dem Rest unvereinbar. Der einzige Kritikpunkt.

Wer bisher durch die CD-Regale im Laden streifte und mit einem Auge auf die Jazzabteilung schielte, aber nicht wusste wo er anfangen soll, dem sei der Buchstabe E ans Herz gelegt. E wie Esbjörn Svensson Trio. Diese Band, insbesondere diese Zusammenstellung, eignet sich fantastisch für einen Einstieg in die große weite Welt des Jazz, auch wenn dieses Kapitel der Musikgeschichte mit „Retrospective“ leider abgeschlossen ist.

Anspieltipps:

  • Dodge The Dodo
  • Spam-Boo-Limbo
  • Behind The Yashmak
  • Seven Days Of Falling
  • Dolores In A Shoestand

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