Air - Love 2 - Cover
Große Ansicht

Air Love 2


  • Label: Virgin/EMI
  • Laufzeit: 46 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Perfektion und Stil ist nicht alles, wenn man den Hörer erreichen will und nicht nur handwerklich begeistern möchte.

Jean-Benoit Dunckel und Nicolas Godin, ihres Zeichens das französische Duo Air, verbindet man immer noch vor allem mit ihrem Debütalbum „Moon Safari“ aus dem Jahr 1998, welches nicht zuletzt durch die Unterstützung von großartigem Gastgesang bis heute seitens der Hörerschaft und Presse gleichermaßen gefeiert wird. Es gab dem TripHop eine wärmere Note, verkörperte Ambient/Chill-Out und widmete sich elektronisch verspieltem Pop, wozu analoge Synthesizer den Grundstein legten. Diese sind auch bis heute das Markenzeichen der französischen Qualitätsgarantie, wobei insgeheim jedes folgende Album an der Erwartungshaltung scheiterte, von Air ein weiteres „Moon Safari“ zu bekommen.

Weder „10,000 Hz Legend“, „Talkie Walkie“ noch „Pocket Symphony“ erreichten diese Stimmung des Debüts, blieben allerdings auf höchstem Niveau, wenn es um nachhaltige, elektronische Pop-Musik geht. Eine musikalische Überraschung bot keines dieser Alben, wenn man von gelegentlich wechselnden Themenkomplexen und den Gastsänger/innen absieht. Diese Abwechslung fällt auf „Love 2“ weg, da Dunckel nun komplett die Vocals übernimmt und auch auf fremde Produktionshände verzichtet wurde. Im frisch eingerichteten Studio stieß Schlagzeuger Joey Waronker dazu und entlockte Air so rockige Songs, wie „Be A Bee“, dem das Live-Schlagzeug eine überaus frohlockende Aufbruchsstimmung verleiht.

Auch „Tropical Disease“ hat trotz seiner Dauer von nahezu sieben Minuten gradlinige Züge, spielt beschwingt mit Flötenklängen und modifizierten Bläsern, während die Klavier-Sounds den i-Punkt auf die selbstbewusste Interpretation von elektronischer Pop-Musik setzen, um im letzten Drittel des Songs auf so wundersame Art das Tempo zu drosseln und in einem Anflug von Jam-Session die neue Spielfreude im Hause Air zu vermitteln.

Diese bleibt durch Songs, wie das sich langsam aus der Nacht durch erquickende Stimm-Effekte zum Tag erhebende „Do The Joy“, das bereits erwähnte „Be A Bee“ und dem funkelnden Percussion- sowie Distortion-Brocken namens „Eat My Beat“ gut auf die Gesamtdauer verteilt. Wenn da nicht mittlerweile eher Gähnen verursachende Standards (z. B. „Sing Sang Sung”, “Heaven´s Light”) wären, die von den Sounds und der Produktion qualitativ oben mitspielen, aber mit den fehlenden Emotionen hadern. Perfektion und Stil ist eben nicht alles, wenn man den Hörer auch erreichen will und nicht nur handwerklich begeistern möchte. So bleibt zu vieles schlichte Wiederholung, anderes überaus gelungen und schließlich eine interessante Entwicklung, nämlich die der mehr als Band und nicht als Projekt agierenden Formation plus Schlagzeuger.

Anspieltipps:

  • Do The Joy
  • Be A Bee
  • Tropical Disease
  • Eat My Beat

Neue Kritiken im Genre „Pop“
4/10

Am Ende Des Tages
  • 2018    
Diskutiere über „Air“
comments powered by Disqus