t.A.T.u. - Happy Smiles - Cover
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t.A.T.u. Happy Smiles


  • Label: Soyuz Records
  • Laufzeit: 39 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Manches ist nicht totzukriegen, ABER man kann es ignorieren. Der deutsche Musikmarkt tat dies mit t.A.T.u., dich sich nach ihrem Sensationserfolg „All The Things She Said“ wieder aus dem Rampenlicht entfernen mussten. Waren es tatsächlich bloß die leidenschaftlichen Küsse zwischen zwei überdurchschnittlich attraktiven Russinnen und nicht die Musik? Na, was für eine Frage! Wer immer noch nicht begriffen hat, dass Skandal (wobei bis heute fragwürdig ist, was der Skandal an Homosexualität sein soll. Aber jedem so, wie er geschliffen ist…) ein Goldspender ist, der sollte sich aus dem Musikbusiness heraushalten oder einfach gute Musik machen. Bis heute sind sich t.A.T.u. treu geblieben und fordern den Hörer mit provokanten Texten, während die Musik im Stile der Black Eyed Peas immer simpler und uninspirierter wird.

Abtreibung, Liebe und die große Ungerechtigkeit der Welt sind die Themen des russisch/englischen Albums und in diesem Bereich auch durchaus ansprechend, jedoch kann man dies nicht von der instrumentalen Seite so sehen. Da sind zwar die beiden gutklassigen Stimmen, welche trotz gefühlt ewiger Abstinenz klar wie immer klingen und sanft im Ohr bleiben, doch die Elektronik weiß nicht so recht, wohin sie führen soll. Diese Problematik offenbart sich schon mit dem „Intro“, welches drei Minuten lang vor sich hinplätschert, ohne eine wirklich aussagekräftige Atmosphäre erzeugen zu können. Denn wird es gegen Ende aufmunternd, wenngleich mit melancholischer Note und doch noch richtig ansprechend, geht es ins schnelle „Beliy Plaschik“ über, welches um Abtreibung geht, vom Stil aber wie ein einfaches Mitsinglied für Teenager klingt. Irgendwie passen hier Cause und Effect nicht ganz zusammen.

Wenn nicht grad eine Ballade wie „You And I“ erklingt, wird man das Gefühl nicht los, dass die Musik einfach nur noch tanzbar zu sein hat. Das versteht sie auch sehr gut, wie in „220“ zum Beispiel und vielen weiteren Beispielen. Höhen spart sich diese Musik allerdings gänzlich aus und man bekommt das Gefühl, dass die textlich so aggressiven Mädels Angst haben, mit ihrer Musik zu überraschen. Außerhalb Russlands kommt den Mädchen wirklich zu Gute, dass man ihre Texte nicht versteht. Denn wenn der Hörer den Verdacht schöpft, dass es in „Chelovechki“ um tiefgründige Themen gehen soll, wundert er sich um den hektischen Hintergrund, der außer Hektik nicht viel aussagt.

Ausgerechnet ein Instrumentalstück ist mit das ausdrucksstärkste, wenngleich man auch hier nicht ganz auf der musikalischen Höhe der Neuzeit. Natürlich können sich Geister hier auch völlig scheiden, aber das ist in Sachen Musik auch gestattet. Wer allerdings mit ein wenig Sachverstand und Objektivität an die Sache herangeht, merkt, dass t.A.T.u. weiter nur Musik von der Stange liefern, wo sich der ein oder andere Ohrwurm versteckt, jedoch keine Perlen. Ein „Halo“ von Beyoncé ist schließlich auch alles andere als eine Großtat, doch am Ende zählt die Wirkung auf das breite Publikum. Hier setzen auch die beiden Skandalnudeln an und wollen, dass man bloß nicht zu viel nachdenkt bei ihrer Musik. Wie sich das mit den Texten vereinbart, sei mal so dahingestellt. Für dieses perplexe Spiel mit den Tatsachen dürfen sie nun mal nicht nur Lob erwarten.

Anspieltipps:

  • 220
  • Beliy Plaschik
  • Intro

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