Man Doki Soulmates - Aquarelle - Cover
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Man Doki Soulmates Aquarelle


  • Label: Red Rock/Sony Music
  • Laufzeit: 76 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Leslie Mandoki hat in der Vergangenheit ein ordentliches Stück Holz mit seinen „Legends Of Rock“ dargeboten. Dafür hat der deutschstämmige Produzent einfach mal eine Bigband versammelt und die größten Rockhits der letzten Jahrzehnte neu interpretiert und das in einer Form, die nach Vollendung schreit. Da dies so wunderbar funktioniert hat, wurde die Band beibehalten und ein „eigenes“ Album wurde in Arbeit gestellt. Die Idee ist teilweise stimmig, haben die Musiker doch bewiesen, dass sie echte Könner ihres Fachs sind. Der Knackpunkt jedoch: Wie stark sind eigene Songs?

Schablonen wie „Imagine“ sind Sprungbretter, sind unglaublich hoch, garantieren allerdings gleichzeitig einen weichen Fall. Paradox, aber so ist das nun mal: Obwohl jeder meckert, dass das Original besser sei, ist der Bekanntheitsgrad eben dieses Originals eine enorme Hilfestellung. Es geht für den Cover-Musiker eigentlich nur um die Haltungsnoten und die Interpretation. Jetzt also ein eigenes Album und wieder ist Adam Riese schnell Freund, wenn man sich bei gerade mal elf Liedern auf 76 Minuten Spielzeit freuen darf, dann ist man beinahe schon an Prog-Bands wie ISIS oder The Mars Volta erinnert. Meine Güte und lieber Herr Gesangsverein!

Dabei ist der Beginn des Albums Angst einflößend normal. Das hört sich schon fast verboten nach einem Best-Of-90s-Track an. „After The Flood“ bringt so ziemlich gar nichts Eigenes mit sich und selbst die Bläser, die dem ganzen Album ihren Stempel aufdrücken wirken nicht als zusätzliches Element, sondern ohne sie ist dieses vorgebaute Konstrukt gar nicht vorstellbar. Das ist Radio-Musik, meine Herren. Auch „More Life To Live“ ist mehr Phil Collins, als sonst irgendwas. Da fragt man sich langsam, ob man es nicht doch wieder mit einer Remake-Platte zu tun hat. Unter den „kurzen“ Liedern zeigt sich aber auch die ein oder andere Nummer mit wahrem Ambiente. „Legend“ ist ein wunderbarer Akustikgitarren-Track, der erst am Ende einem viel zu offensichtlichen Bon-Jovi-meets-Sting-Refrain weichen muss.

Wer also den Stil des letzten Jahrzehnts mochte, ist hier absolut an der richtigen Stelle. Allerdings nicht ausnahmslos! Da wären noch die vier sieben- bis zehnminütigen Brocken, die von Atmosphäre leben und auch wenn der Gesang weiter auf Classic Rock abgestimmt ist, wissen die behutsamen, emotionalen Klangbilder der Instrumentalteile zu überzeugen. Dem einen mag das zu altbacken klingen, der andere hört zu viele Reminiszenzen, aber ganz im Ernst: Was wird hier von dem Macher der „Legends Of Rock“-Platte erwartet? Leslie Mandoki macht mit seinen Seelenpartnern eigenständig da weiter, wo er mit dem großen Album aufgehört hatte. Nur das eigenständige an der Eigenständigkeit ist noch nicht so wirklich auszumachen.

So gönnt man sich die Neunziger noch mal in neu arrangierter Form und mit Glück findet man ein paar Überraschungen („Aquarelle“) und als Fan von Bläsern, ist man sowieso herzlich eingeladen („Looking Up To Michael“). Wer allerdings Großtaten erwartet ist hier falsch. Ob man sich den Spaß auch mal Live ansehen möchte, gibt der Bonus Track Aufschluss und wie gesagt: Wer den Stil mag, sollte das nicht verpassen, das Können dieser Bigband zu bewundern.

Anspieltipps:

  • Legend
  • Aquarelle
  • Looking Up To Michael

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