Junius - The Martyrdom Of A Catastrophist - Cover
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Junius The Martyrdom Of A Catastrophist


  • Label: Make My Day/ALIVE
  • Laufzeit: 49 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Für die Bostoner Progressive Rocker Junius hat die internationale Presse zur Zeit nur Lobeshymnen parat. So schreibt das Eclipse-Magazin „Musik wie diese degradiert die späten The Cure zur Spaßkapelle“ und die Zeitschrift Audio meint „Mit ehrfurchtgebietenden Soundlandschaften zwischen Postrock, Gothic und Wave-Rock macht diese US-Band mächtig Eindruck.“ Haben Joseph Martinez (Gesang, Gitarre), Mike Repasch-Nieves (Gitarre), Keiffer Infantino (Bass), Dave Soucy (Bass) und Dana Filloon (Schlagzeug) den nächsten ungerechtfertigten Hype aus Amiland fabriziert oder ist an den fünf Herrschaften wirklich etwas dran?

Nun, die aus den zwei EPs „Forcing out the silence“ und „Blood is bright“ bestehende, selbstbetitelte Scheibe vom Februar letzten Jahres, machte jedenfalls einen sehr düsteren und verschrobenen, sowie in seiner Entwicklung wachsenden Eindruck, was gerade die anvisierte Zielgruppe der Post und Progrock-Fans den Mund wässrig machen ließ. Mit „The martyrdom of a catastrophist“ geht der dunkle Reigen nun in die nächste Runde und die Bostoner legen ihr Full Length-Debüt vor, das die unterschiedlichen Elemente aus „Alternative und Wave bis hin zu Post- und Indie-Rock“ erneut aufgreift und weiter ausbaut. Dabei vergessen Junius aber nie auf den Song an sich und bleiben stets greif- und nachvollziehbar anstatt sich an endlosen Frickeleien zu vergehen, die wie bei vielen anderen ähnlich gelagerten Bands nicht selten in ausufernde Krawallorgien gipfeln.

Nein, die Mischung aus den epischen Klanglandschaften einer Band wie Isis, gepaart mit ein wenig Düsternis a la The Cure und der entrückten und gleichzeitig versöhnlichen Stimmung einer früheren Dredg-Komposition (etwa „El cielo“) machen „The martyrdom of a catastrophist“ mitunter zu einer langwierigen, aber dafür äußerst langlebigen Angelegenheit, die eigentlich kaum Platz für Beanstandungen lässt, da Junius stets den richtigen Mittelweg aus Eigenwilligkeit (progressive Seitengassen, gegensätzliche Stilelemente) und Scharfsinn (ungetrübtes Melodieverständnis, die Songs besitzen Höhepunkt und Dramatik) wählen.

So spielt sich das Quintett mal in einen unaufhaltbaren Rausch („The antediluvian fire“), umarmt in schwelgerischen Herbsttönen den Pop („A dramatist plays catastrophist“, „Elisheva, I love you“), kreiert emotionale Ausbrüche vor flirrenden Gitarrenwänden („Stargazers & gravediggers“, „Letters from Saint Angelica“) oder jagt den Hörer durch einen progressiven Hürdenlauf („Ten year librarian“). Der Fünfer präsentiert sich mit den zehn Songs also stets in Bewegung und besitzt durch den eigenwilligen Genremix trotzdem eine eigene Identität, obwohl diese bei den verschachtelten Kompositionen teilweise recht schwer auszumachen ist. Dass darf bei gleichbleibendem Niveau bei nachfolgenden Veröffentlichungen aber ruhig so bleiben. Wir sind jedenfalls gespannt!

Anspieltipps:

  • Ten Year Librarian
  • The Antediluvian Fire
  • Letters From Saint Angelica
  • A Dramatist Plays Catastrophist

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