Ja, Panik - The Angst And The Money - Cover
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Ja, Panik The Angst And The Money


  • Label: Staatsakt/Rough Trade
  • Laufzeit: 42 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Panische Eingängigkeit gibt es hier kaum. Vielmehr versucht man bei jedem Hören die raffinierten Sperrversuche der Band zu enttarnen um sich anschließend ergiebig daran zu erfreuen.

Ja, Panik – Die fünf Wahl-Berliner aus dem liebreizenden Burgenland präsentieren mit „The Angst And The Money“ ihren nunmehr dritten Streich und blühen aufgrund einer bewusst herbei produzierten Richtungsänderung, hin zu einem einfacheren und eher gemaßregelten Sound jetzt dann aber auch mal so richtig auf.

Zusammen mit Produzent Moses Schneider, der bereits namhafter Kundschaft wie den Beatsteaks oder auch Tocotronic zu einem lebhaften Akustikwandel verholfen hat, wurde die Vertonung der Band um Frontmann Andreas Spechtl um eine gemeinschaftliche Instrumentierungskomponente erweitert. Nicht mehr Schema F, das mit der Zeit von allen uns lieb gewonnenen Indie-Kapellen mehr oder weniger bemüht wird, drückt diesem Album seinen Stempel auf, sondern eine sich toll in den Ohren herumtreibende und homogene Klangatmosphäre. Hier bittet man zum Tanze („Alles Hin, Hin, Hin“), hat keine Furcht vor auch etwas süßeren Melodien („Blue Eyes“) und erfreut sich obendrein an zankenden Gitarrenläufen, leichten Klavierpasssagen und fiesem Drumgewirbel („Pardon“, „1000 Times“).

Sänger Spechtl erzählt ohne Hauch von Kitsch oder Theatralik seine Geschichten und Ja, Panik musizieren gegen jeglichen Standardwert befindlichkeitsfixierten Harmoniebreis mit Inbrunst an. „Eine Welt Ist Aus Zucker, doch eine Welt ist immer noch aus Dreck“ heißt es auf „Tür Auf, Tür Zu“. Wie Recht sie doch haben. Ihre Mischung aus deutschem Indie-Rock Marke Herrenmagazin, El Sumo oder Komplizen der Spielregeln ist aufgeregt, klagend, erhellend und schafft den akustischen Spagat zwischen Beat, Pop, Rock und Blues hörbar spielend leicht. Wie schon beim etwas roheren Vorgänger „The Taste And The Money“ trifft hier kummerlose Poesie auf gesunde Melancholie- abgeschmeckt mit einer großen Prise akustischem Salz und Pfeffer. Die rastlosen Österreicher fegen nur so durch die Indie- und Pophistorie, funktionieren in ihrem deutschsprachig-englischen Lyrik-Mix einwandfrei und klingen immer wieder neu.

Panische Eingängigkeit gibt es hier kaum. Vielmehr versucht man bei jedem Hören die raffinierten Sperrversuche der Band zu enttarnen um sich anschließend ergiebig daran zu erfreuen. Auf dieser Platte wird erkennbar moderner und ungekünstelter Rock gelebt und „The Angst And The Money“ trifft in die Vollen. Also schreibt es mit Edding an die Wände: Ja, Panik!

Anspieltipps:

  • Tür auf, Tür zu
  • Pardon
  • Dynamite
  • Nevermore
  • The Golden Handshake

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