Moneybrother - Real Control - Cover
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Moneybrother Real Control


  • Label: Our Choice/Rough Trade
  • Laufzeit: 42 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Oh ja. Wie bitter nötig manchmal Jammern sein kann. Und niemand scheint das besser zu wissen als die größte Heulsuse Skandinaviens, Anders Olof Wendin. Das äußerst enttäuschende „Mount Pleasure“ vor zwei Jahren hat ja skeptisch gemacht und die Grenze zum Kitsch, auf der der Moneybrother zweifellos immer wandert, maßlos überzogen. Die Zeiten der zielsicheren Liebesschmerzverarbeitung seiner ersten beiden Alben „Blood Panic“ und „To Die Alone“ schienen mit „Mount Pleasure“ in weite Ferne gerückt; die mit Heulkrampf-Blick mitgesungen Zeilen „It’s been hurting all the way with you Joanna / We’ve been through all this before / No, I can’t take this no more, no more, no more“, verblasst zu einer alten, verwehten Reminiszenz.

Aber irgendwie hat er die Kurve wieder gekriegt, der alte Schwede Anders. „Real Control“ funktioniert, ist selbstverständlich peinlich, sich nackig machend, kitschig, aber eben nicht zu kitschig, und vor allem: wundervoll und sympathisch offen und ehrlich. „Born Under A Bad Sign“ weist ohne zu zögern die Richtung an: call-and-response-Chöre und dieser eigentlich so prekäre Pop-Soul-Beat werden Gewürz mit ein paar treffsicheren Indie-Gitarren-Akkorden und Klimper-Keyboard; und schon ist es geweckt, das peinliche, in jedem von uns schlummernde Pop-Monster. Auch wenn diese Musik nicht hart ist, Moneybrother muss man laut hören, die Leidenschaft verlangt es, leise ist es nur die Hälfte wert.

Reggae-Einschübe auf „We Die Only Once“, sich beschleunigender Stompin-Beat im Refrain des balladesken „6 am“: es sind die Details die Moneybrothers Jammer-Mucke künstlerisch anspruchsvoll werden lassen. Das und die leidenschaftlichen Mitsing-Chöre. Ein bisschen Detroit Cobras-Gitarren-Solo hier, ein bisschen Aretha Franklin-Feeling da, und, wie steht es im Rough Trade-Waschzettel so treffend: Falsetto-Soul. Falsetto-Soul! Einzig Anders Wendin kann dieser Schmalzigkeit ein mitwippen abverlangen. Grinsend weiß er und wissen wir: erst das maßlose Überziehen des eigenen, persönlichen Leids, lässt es einigermaßen artikulierbar machen. Okay, an „Blood Panic“ kommt das gegen Ende schwächelnde „Real Control“ nicht heran, aber auf „To Die Alone“-Niveau hat er sich wieder herangearbeitet. Das fünfte Moneybrother-Album – eines erschien nur in Schweden, also für alle anderen das vierte – kommt noch mit zwei Bonus Tracks, die auf der Promo fehlen.

Anspieltipps:

  • Born Under A Bad Sign
  • We Die Only Once (And For Such A Long Time)
  • 6 am
  • Just Another Part Of Me That Breaks Down

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