Marillion - Less Is More - Cover
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Marillion Less Is More


  • Label: earMusic/EDEL
  • Laufzeit: 57 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Es gibt mit jedem Hördurchgang sehr vieles zu entdecken, da die fünf Jünger des Prog-Rock zu vielen neuen Instrumenten greifen.

Marillion sind richtige Arbeitstierchen geworden. Lieferten Sie uns letztes Jahr mit „Happiness Is The Road“ zwei hervorragende Alben ab, gibt es nun mit „Less Is More“ schon wieder eins. Verwöhnungsprogramm? Ganz so neu ist der Inhalt nicht, denn er dreht sich um zehn wohl bekannte, ein bisher nicht veröffentlichtes und ein verstecktes Stück im neuen, akustischen Gewand. Was gemein hin als unplugged bekannt ist, wird von den Engländern als weniger ist mehr angepriesen.

Selbstverständlich beinhaltet das 16. Studioalbum nur Stücke der Hogarth-Ära und erstaunlicherweise greifen Marillion deutlich weiter in die Vergangenheit als vermutet. Kein Song von „Marbles“, auch nicht von „Somewhere Else“, dafür gleich drei von „Anoraknophobia“. Oft wirken Lieder, die in einen akustischen Mantel transferiert werden spärlich, ausdruckslos und sogar langweilig. Marillion ist das Gegenteil gelungen. Lieder, die so klingen, als ob sie nie anders den Weg ins Ohr hätten zurücklegen dürfen. Sie glänzen durch emotionsgeladenen Gesang und grandiose neu arrangierte Instrumentierung, die immer wieder für Akzente sorgt. Der Einstieg in die Musik fällt damit einfacher aus als auf den regulären Alben und verzaubert von Beginn bis Ende.

Es gibt mit jedem Hördurchgang sehr vieles zu entdecken, da die fünf Jünger des Prog-Rock zu vielen neuen Instrumenten greifen. Mark, der Keyboarder, stellt im eigenen Marillion-TV seine eingesetzten Glockenspiele, eine kleine Harfe und sogar eine Kirchenorgel vor, die er einfach mal so im Studio rum stehen hat. Okay, dabei sind das nur die Werkzeuge des Einen! Dieser Umstand macht schon deutlich, dass die Songs ihren Charakter sehr stark verändert haben. „Hard As Love“ zum Beispiel besitzt einen völlig neuen Refrain oder „Memory Of Water“, das sogar eine breitere Instrumentierung aufweist, als das nur von der Stimme von Hogarth getragene Original.

Akustisch muss also nicht gleich abgespeckt bedeuten. Nicht nur in „Quartz“ greift Rothery sogar zur E-Gitarre und fügt einige natürliche, unaufdringliche Töne bei. „Interior Lulu“ zeigt, dass komplexe Lieder auch akustisch umgesetzt werden können und besticht durch eine schöne Xylophon-Passage zu Beginn. Dank eines sehr rhythmischen Hintergrunds fordert „If My Heart Were A Ball“ geradezu auf das Tanzbein zu schwingen. Ferner dessen wurde mit „It’s Not Your Fault“ ein Schlaflied für Erwachsene eingespielt, das schon früher entstand, aber bisher auf kein Album gepasst hat.

Interessant, ob die Idee zu diesem Album von Rothery ausging, der erst kürzlich mit Hannah Stobart die zweite CD von The Wishing Tree veröffentlicht hat, seinem akustischen Rockpop-Seitenprojekt. Jedenfalls haben Marillion ein Zwischenalbum aufgenommen, das ein wenig Zeit zwischen das Hochgelobte „Happiness Is The Road“ und die Nachfolge treibt und die Gemüter ein wenig beruhigt. Ein kluger Schachzug, um die Erwartungshaltung der Fans zu besänftigen. Bald geht es auf Akustiktour und da werden die Jungs noch einige Akustiknummern mehr präsentieren, die es nicht aufs Album geschafft haben. Die Umsetzung des Akustikalbums haben Marillion wirklich stark hinbekommen.

Anspieltipps:

  • Interioir Lulu
  • Hard As Love
  • Quartz
  • This Is The 21st Century

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