Bob Dylan - Christmas In The Heart - Cover
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Bob Dylan Christmas In The Heart


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 42 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Es ist kein Anflug von Ironie in der Interpretationen zu erkennen, in denen die Songs von Dylan und Co. zum Teil in recht schräge Swing- und Blues-Gewänder gekleidet werden.

Wir haben zwar erst Anfang Oktober, doch allerorten Weihnachtet es bereits sehr. Das ist ein inzwischen üblich gewordenes Szenario, über das man sich ganz sicher nicht mehr aufzuregen braucht, auch wenn es das Fest der Liebe auf unschöne Art entwürdigt. Doch neben Spekulatius und Glühwein im Frühherbst bei 20 Grad Außentemperatur, gibt es noch eine Begleiterscheinung, mit der die Konsumenten terrorisiert werden. Denn besonders in den USA zählt zum vorweihnachtlichen Treiben die Veröffentlichung von Weihnachtsalben – und zwar von Künstlern jeden Genres.

Heuer reiht sich ein gewisser Robert Allen Zimmerman alias Bob Dylan in die Reihe derer ein, die mit einem Weihnachtsalbum um die Ecke kommen und die eigenen Fans damit in eine Glaubenskrise stürzen. Auf seinem 47. Album „Christmas In The Heart“ präsentiert Dylan 15 kitschtriefende Lieder rund um das Thema Weihnachten, die er mit furchterregender Reibeisenstimme vorträgt. Himmel! Dagegen ist Tom Waits ein echter Chorknabe! Da muss man sich als Hörer wirklich ernsthaft die Frage stellen, ob man hier nicht ein kleinwenig auf den Arm genommen wird. Denn was Dylan zusammen mit seinen Musikern aus Klassikern wie „Hark the herald angels song“, „O’come all ye faithful“, „Here comes Santa Claus“, „Winter wonderland“ und „Little drummer boy“ macht, spottet jeder Beschreibung. Ist das nun Kult oder Kunst und vor allem: meint Mr. Dylan das ernst?

Anscheinend schon! Jedenfalls ist kein Anflug von Ironie in der Interpretationen zu erkennen, in denen die Songs von Dylan und Co. zum Teil in recht schräge Swing- und Blues-Gewänder gekleidet werden („O’come all ye faithful“), die man in der Tat witzig finden kann. Es dürfte aber durchaus ein paar Geschmacksverfechter geben, die sich von dem Genuschel und Gegrummel des Altmeisters auf den Schlips getreten fühlen werden. Auch der Rezensent weiß nicht so recht wohin mit diesem Album. Vielleicht sollte man einfach den Namen Helge Schneider draufdrucken oder sich einfach nur dafür bedanken, dass Bob Dylan alle Einnahmen aus dem Verkauf des Albums an die Organisation Feeding America sowie an verschiedene andere Hilfsorganisationen spendet. Damit macht „Christmas In The Heart“ zumindest aus karitativer Sicht Sinn. Musikalisch ist es dagegen eine undefinierbare Wundertüte.

Anspieltipps:

  • Silver bells
  • The first Noel
  • Little drummer boy
  • Winter wonderland
  • O’come all ye faithful
  • Hark the herald angels song

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