Gregorian - Masters Of Chant Chapter VII - Cover
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Gregorian Masters Of Chant Chapter VII


  • Label: Edel Records
  • Laufzeit: 75 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Hätte vor rund zehn Jahren jemand gesagt, der gregorianische Choral würde ein langlebiges, internationales, popkulturelles Revival bekommen, jeder, der diese Äußerung mit eigenen Ohren vernommen hätte, wäre wohl entweder lauthals lachend in Tränen ausgebrochen oder hätte jene Aussage kurzerhand als schlechten Scherz abgestempelt. Dabei ist es zwar nicht so, dass der im frühen Mittelalter von Geistlichen in den Kirchentonarten gesungene Choral in der heutigen Zeit keine Daseinsberechtigung hätte, aber etwas abenteuerlich klingt das Unterfangen allemal.

Nach über 20, über den gesamten Erdball verteilten Gold- und Platinauszeichnungen für die Gregorian-Reihe und dem jüngsten Küken im trällernden Mönchskuttenstall, den zisterziensischen Mönchen von Stift Heiligenkreuz aus Niederösterreich, die mit ihrem Debüt „Chant - Music for paradise” (05/2008) gleich für ein Chartbeben gesorgt haben und neben der Pole Position in Österreich, Platz 5 in Deutschland und einer sagenhaften Top 10 Platzierung in England ebenfalls mit Mehrfach-Platinauszeichnungen überhäuft wurden, dürfte klar sein, wieso Gregorian-Initiator Frank Peterson weiterhin an seiner Masters Of Chant-Wollmilchsau festhält und den bereits siebten Teil (etwaige Spezialveröffentlichungen nicht mitgezählt) unter das entspannungssüchtige Volk bringt.

Mit Neuninterpretationen von „Meadows of heaven“ (Nightwish), „The carpet crawlers“ (Genesis), „Face in the crowd“ (Lionel Richie) oder dem Cover des irischen Traditionals „Molly ban“ wurde erneut darauf geschaut, dass viele Facetten der Popmusik in Mönchskutten gesteckt werden, mit jeder weiteren Ausgabe stellt sich allerdings immer öfter die Frage, wieso es denn das Gregorian-Cover sein soll, wenn die Stücke von den trällernden Kircheninsassen, abgesehen vom gesanglichen Aspekt (obwohl dieser in vielen Fällen auch schon eher dem weltlichen Charakter entspricht), beinahe 1:1 wiedergegeben werden. So sind z.B. „Sweet child of mine“ (Guns´n´Roses), „Chasing cars” (Snow Patrol), „Enjoy the silence“ (Depeche Mode), „Whiter shade of pale“ (Procol Harum), „Kashmir“ (Led Zeppelin) oder „Don´t leave me now” (Supertramp) genauso hart, träumerisch, rockig oder verspielt wie das Original und besitzen kaum eigenen Charme.

Auf der Habenseite stehen dafür die halbwegs gelungenen und atmosphärischen Fassungen von „Running up that hill“ (Kate Bush) oder „Forgiven“ (Within Temptation), denen die völlig missratenen Verstümmelungen von „One“ (U2) und „Arrival“ (ABBA) gegenüber stehen. Auch wenn sich laut Petersen nicht alle Songs für eine Transkribierung in den gregorianischen Choral eignen, wäre es schön, wenn die Neubearbeitungen nicht klingen wie beliebig reproduzierbare Lounge Music, die lediglich versucht so nah wie möglich an das Original heranzukommen, sondern wenigstens ein bisschen Eigeninitiative zeigt, was nicht nur den Nährwert der Reihe anheben würde. Und jetzt gehet und entspannet euch!

Anspieltipps:

  • It Will Be Forgiven
  • Don´t Leave Me Now
  • Running Up That Hill

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