Macy - Calling Out - Cover
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Macy Calling Out


  • Label: Neo/Sony Music
  • Laufzeit: 40 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

„Macy lassen ein Gefühl der Kurzweiligkeit zurück“, so heißt es in einem Pressetext. Das kann für zwei Dinge stehen, für 08/15-Musik, die zum einen Ohr rein, nach Abschluss des Tracks aber auch wieder herauswandert oder man redet von geradliniger Musik der Marke Jimmy Eat World, die sich nicht wie bescheuert ins Ohr beißt und es deswegen immer wieder schafft, frisch zu wirken, wenngleich nur wenige es wie eben genannte Amerikaner zu schaffen, dass die Lieder doch irgendwie hängen bleiben. Macy aus der Schweiz begeben sich allerdings auf diese kurzweilige und anspruchsvolle Mission. Als Wegerleichterung beim Debüt schnappt man sich einen erfahrenen Produzenten, Sony Music als Flagschiff und eine Reihe Bläser, welche die Indie-Community erhalten sollen.

Unerwartet rockig beginnt das Album lautstark mit „One In A Million“ und versucht die Band in groben Zügen schon mal vorzustellen. Sanfte Stimme im Gesang, einfache aber kraftvolle Gitarren, Bläser hier und da und gutklassige Refrains. Nichts Überragendes, jedoch eine nette Alternative für Zwischendurch oder das Radio. Woran es allerdings mangelt, ist ein Höhepunkt. Dieses Problem, welches im Pop ein großes ist, wenn der Track selbst einen schon nicht aus den Socken haut, ist leider durchgängig. Auch im wohl eingängigsten Stück „In My Mind“ deutet sich ein emotionaler Höhepunkt zwar an, ist nur leider viel zu simpel dargestellt. So zeichnen sich die stärkeren Track der Schweizer mehr durch Gastmusiker aus, als durch eigene fesche Ideen.

„Individual“ klingt alles andere als individuell, sondern mehr auf den Hörer abgerichtet. Das funktioniert zwar, klar, aber richtig gute Musik klingt anders. Die Lieder klingen einfach zu abgedroschen, die Ideen nicht neu genug. „Love Is Complicated“ ist, abgesehen vom Titel eine Anlehnung an so ziemlich jede Popband dieses Planeten aus den letzten zehn Jahren, in der Hoffnung jedem zu gefallen. Tatsächlich offenbart sich Macy manchmal gefährlich als „Everybody’s Darling“ ohne Ecken und Kanten. Das machen Power-Pop-Nummern wie „Letting Go“ auch nicht wirklich gut, denn neben Kraft strahlen sie nichts Besonderes aus. Nach gutem Beginn muss der Hörer sich mit Durchschnittsware abfinden.

Erst die Single „Passing Moments“ besinnt sich wieder auf Stärken, wobei ohne die Gastbläser viel verloren gehen würde. Immerhin schaffen sie es wieder auf ein solides Niveau und der alte Indie-Kniff funktioniert. Sie klingen wieder „anders“, sodass man sich erinnern kann: „Hach, war das nicht ein Macy-Song?!“ So weit sind wir zwar noch nicht, aber immerhin. Warum man sich am Kopf kratzen muss, was all diese Mittelklasse soll, fragt man sich, wenn man den Titelsong hört. „Calling Out“ besticht mit Akustikgitarre, schöner Stimmung und klassischem, aber frischem und perfektionierten Aufbau. Anstatt Pop-Explosion am Ende gibt es ein Bläser-Solo. Mehr als sympathisch! Warum es nicht zu mehr Gedankenfreiheit gereicht hat, bleibt ein Rätsel und so bieten sich die Eidgenossen nur bedingt fürs große Geschäft an.

Anspieltipps:

  • Oe In A Million
  • In My Head
  • Calling Out

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