Demis Roussos - Demis - Cover
Große Ansicht

Demis Roussos Demis


  • Label: Discograph/ALIVE
  • Laufzeit: 38 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

„Ich bin ein Rocker“, stellt Demis Roussos nach einer langen Karriere fest. Als solcher hat er ein Soul-Album aufgenommen. Klingt nicht so ganz schlüssig? Unverständnis ist verständlich, doch der gute Demis meinte das ein wenig anders. Er meinte weniger die Musik, als die Lebenseinstellung und das heißt: ohne großartige Kompromisse ein neues Album machen, so wie ER es will. Demis Roussos lässt sich nicht vorschreiben, eine gewinnbringende Best-Of-Platte oder Cover-CD aufzunehmen, sondern will ein weiteres Mal sein Ding durchziehen. Diesmal halt Soul, der hier und da an den „Rocker“ Demis erinnert.

Die Identifikation mit dem Album zeigt sich schließlich auch besonders in der Selbstbetitelung. So geht das Soundgelage auch los. Demis nutzt seine rauchige Stimme aus und erzeugt beinahe eine Stimmung, wie es Neil Diamond auf seinem letzten Album schaffte. Der Track entwickelt sich anständig, spielt mit den Soul-Elementen und… bricht dann plötzlich ab. Was hier Höhepunkt genannt wird, kann kaum als solcher bezeichnet werden und was nach ruhiger Entwicklung aussah endet nach nicht mal drei Minuten viel zu abrupt. „On My pillow“ leidet glücklicherweise nicht mehr in diesem Maße an der Krankheit und profitiert von Gitarren und Rockeinfluss. Jetzt hat Demis den Bogen auch raus und „Love Is“ strahlt vor Lebensfreude und ergötzt sich an einer Überdosis Soul samt Gospelchor.

Dieses Niveau hält sich auch im anschließenden „What They Say“ und gerade wenn man zufrieden mit der Zunge schnalzen möchte, kommt wieder so ein abgehackter Song, wie „Hello, Hello“ daher, der ähnlich „September“ Potential hat, es dann aber in unausgegorener Struktur verschenkt. „Hit Me“ und „I’ll Be Home“ machen diese Fehler nicht, lassen sich Zeit und letzteres Stück wird zur wahrscheinlich schönsten Ballade auf dem knapp 38minütigen Werk. Dass Demis danach noch mal die Rockkeule herausholt, verzeihen wir ihm einfach mal, doch wie es zu erwarten war, ist „Spoiled Brat“ ein Durchschnittslied, das in Ordnung, aber keinesfalls gut oder gar überragend ist.

Das hat auch der Meister selbst gemerkt und wendet sich wieder den ruhigen Nummern zu, wobei „Help Me“ schlichtweg „I’ll Be Home“ zu kopieren versucht und dabei nicht ganz so aussagekräftig ist. Da doch lieber das orientalisch angehauchte „Who Gives A Fuck“, auch wenn es mit seinen neun Minuten mehr eine Selbsthymne, als ein Lied ist. Wer sich von der orientalischen Stimmung jedoch gerne tragen lässt, ist eingeladen, diesen ruhigen Ausklang zu genießen. Überhaupt muss man sich seine Lieblinge hier selbst aussuchen, denn die Lieder sind nun einmal mehr oder weniger auf einem Niveau. Einem durchschnittlichen, dass mehr vom Namen lebt, als von der musikalischen Inspiration.

Anspieltipps:

  • Love Is
  • I’ll Be Home
  • On My Pillow

Neue Kritiken im Genre „Soul“
Diskutiere über „Demis Roussos“
comments powered by Disqus