The Twilight Sad - Forget The Night Ahead - Cover
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The Twilight Sad Forget The Night Ahead


  • Label: Fat Cat/Rough Trade
  • Laufzeit: 49 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Kilsyth, in der Nähe von Glasgow. Abenddämmerung, Nebelschwaden erdrücken das ansonst sattgrün geschwängerte Bild der schottischen Highlands und der Regen peitscht unbarmherzig ins Gesicht. Die Akustik sitzt! Perfekter musikalischer Halt auch bei jener herbei musizierten, düsteren Stimmung samt ihrer verschroben-verzerrten Gitarrenklänge und rauen Melodienwirbel.

2007 tauchen The Twilight Sad zum ersten mal auf dem Radar der gemeinen Rockaudienz auf, und ihr Debüt „Fourteen Autumns And Fifteen Winters“ sorgt in Amerika und Großbritannien für ausverkaufte Hallen und Konzertsäle. Es scheint so als haben sich die tapferen Schotten auf ihrem neuen Album von ihren Tour-Erlebnissen inspirieren lassen, um mit „Forget The Night Ahead“ diesen rauen Charme eines druckvollen Live-Sounds zu kompensieren und in ein festgefügtes Studioalbumformat zu pressen. Und das Vorhaben ist ihnen hörbar gelungen. Bereits der Einsteiger „Reflection On The Television“ wartet mit all dem auf, was schon den Erstling der Band ausgemacht hat und nun mit audialen Referenzen von Mogwai über Glasvegas hin zu My Latest Novel erweitert wird. Die Bassline grollt beunruhigend vor sich her, das blecherne Schlagzeug hallt ebenso kräftig wie der markante Akzent von Sänger James Graham und brodelt als gewaltiges Rockungewitter, das nur darauf wartet losgelassen zu werden. Und beim folgenden „I Became A Prostitute“ ist es dann soweit. Das sich zuvor ansgestaute, schwüle Akustik-Klima entlädt sich (besonders) im Refrain dieses intensiven, druckvollen und durchs trommelnde Fell peitschenden Songs.

Die bereits in den ersten knapp zehn Minuten aufgezogene, dunkle, herbstlich bis winterlich auschraffierte und melancholische Grundatmosphäre zieht sich dann auch durch das komplette Album und bietet in der Gefühlsweltskala des Hörers das volle Programm- von traurig bis euphorisch an die Ohren. „Made To Dissapear“, „The Birthday Present“ oder auch „Interrupted“ wechseln in bester Post-Rock-Tradition (nur etwas schneller) immer wieder von dichten und sperrigen Klangarragentments zu noise-lastigen Rockausbrüchen sowie verschnaufenden, glasklaren und ruhigen Melodiepassagen. Die auffällige Vocals-Betonung von Graham verleiht dem Ganzen eine äußerst spezielle Akustiknote, der sich nur schwer zu entziehen ist. Wie auch auf den hier Piano-veredelten „The Room“ und „At The Burnside“, letzterer als äußerst stimmungsvoller, am Ende von einem knisternden und rumorenden Geräuschgewitter überzogenen Schlußakt dieser atmosphärisch-düsteren Platte.

„Forget The Night Ahead“ ist wahrlich kein Album für nur eine Nacht. Um um den zunächst etwas überladenen und ungestaltet wirkenden Sound der Band vollends zur Entfaltung kommen zu lassen, sind schon ein paar musikalische Rendevouz mit The Twilight Sad angesagt. Dann entfaltet sich aber auch die wahre Schönheit einer Platte, deren Lieder als knisternde Einheit überzeugen und dessen Protagonisten schließlich den unangepassten Rocknerv seiner Zuhörerschaft treffen.

Anspieltipps:

  • I Became A Prostitute
  • Interrupted
  • The Room
  • Made To Dissapear

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