Natalie Imbruglia - Come To Life - Cover
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Natalie Imbruglia Come To Life


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 38 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein gutes Popalbum geht zur zweiten Hälfte komplett flöten und hinterlässt den verzweifelten Hörer mit einem Dutzend Fragezeichen.

Kylie Minogue und Sia sind Namen, die der Musikwelt bekannt sein sollten und auch wenn Midnight Oil verlangen, dass man den Ureinwohnern das Land wiedergeben soll, nickt man wieder erkennend. Operator Please waren dann 2007 eine der großen Indie-Entdeckungen des Jahres und es scheint, als wolle der Ideenreichtum der „Aussies“ einfach nicht versiegen. Doch nicht nur Neues glänzt, sondern auch Beständiges wie Natalie Imbruglia, welche schon vor zwölf Jahren ihr Debüt gab, bleiben mehr oder weniger im Rampenlicht. Imbruglia selbst ist jetzt vielleicht nicht der bekannteste Name, was wohl auch der Tatsache geschuldet ist, dass nur alle vier Jahre ein neues Album der mittlerweile 34jährigen Sängerin erscheint.

Zu Madame Minogue gibt es sogar eine handfeste Parallele, denn wie der kleine, große Popstat Kylie, spielte Natalie in der Soap „Neighbors“ mit und wie es diese Serien mit sich bringen, reicht es schon mal, die Hirnlappen zum Glühen zu bringen. Die junge Imbruglia setzt sich in den Kopf, Sängerin zu werden und ihr Bekanntheitsgrad aus der Serie sorgt (natürlich) dafür, dass das Debüt „Left Of The Middle“ eine Nummer Eins Scheibe wird. Auch bei uns und in Übersee (sowie natürlich auf der Insel) ist die Scheibe ein Riesenerfolg, doch danach verschluckt die Zeit die junge Dame. Allein in ihrer Heimat und Großbritannien kann Natalie an ihren Erstlingserfolg anschließen. Und auch wenn die Verkaufszahlen des bisher letzten Albums „Counting Down The Days“ auf unter eine Million fiel (zum Vergleich: Das Debüt verkaufte sich über 6 Million Mal!), landete sie wieder eine Nummer eins im Land der Queen, sowie eine Top-Ten-Single.

Jetzt sind wieder vier Jahre ins Land gezogen und die ansonsten bei L’Oreal tätige Schönheit hat wieder genug Material beisammen, das vertonungswürdig scheint. Wie sich genau der Erfolg ihrer Musik erklären lässt, ist nicht so wirklich auszumachen, denn letzten Endes liefert die Schauspielerin seit über einer Dekade nichts Weiteres, als gehobene Radiomusik. Alles ist durchkonzipiert auf den letzten Moment und Aufreger sucht man vergebens auf ihren Scheiben. So schafft Imbruglia auch auf „Come To Life“ abermals den Spagat, dass von der ersten Sekunde alles routiniert und doch frischer als der Rest klingt. Ihre Stimme ist weiterhin ausdrucksstark, wenn auch lange nicht so, wie die einer Leona Lewis. Der Vorteil Natalies besteht eher darin, dass sie sich einer breiteren Sparte des Pop hingibt.

„My God“ könnte „God Put A Smile Upon Your Face“ von Coldplay auf Drogen sein, wogegen U2 in ihrer neuen Zeit auch durchaus für “Lukas” verantwortlich sein könnten. Ja, hier wird kopiert, was das Zeug hält, aber für viele nicht so leicht ersichtlich und so erfreut man sich verschiedenster Einflüsse, die man irgendwoher kennt. So ist „Fun“ eine von diesen zurückgenommenen Nummern, die einen romantischen Hauch in jeden Raum bringen und da stört es keinen mehr, ob Natalie Imbruglia diese Lieder alleine schreibt und komponiert, denn das ist ganz großes Pop-Kino, wenn ein Refrain so mitreißen kann, dass man schweben möchte. Es sind eben solche Lieder, die den Alltag etwas besser machen können. Überhaupt sind die Melodien mehr als gut gelungen und die Tracks haben eine Klarheit, die zeigt, dass man Tracks nicht immer völlig überladen muss. Die Akustikgitarre als Stammgast auf diesem Album ist der handfeste Beweis für dieses aufgehende Konzept.

Ja, es handelt sich ganz klar um Radiomusik. Das atmen Tracks der Marke „Twenty“ und „Scars“ nur so aus, aber sie funktionieren. Anders sieht es aus, wenn die Elektroschiene ausgepackt wird und „Want“ nicht weiß, was es will. Ob hier Kylie nachgeeifert werden soll? Seelenlose Musik und nichtssagender Gesang sind das negative Ereignis, das den Hörer erwartet. Besser funktioniert da das freche Elektronik-Ungeheuer „Wyut“, doch auch hier geht keine Inspiration von aus. Warum? Weil ein völlig abgedrehter Song auf den zweiten Blick einen mehr als spärlichen Aufbau vorweist. „Cameo“ gibt einem dann den Rest, wenn man kurz versucht „Hey, das geht ab…“ zu singen. Was diese Crossover sollen, ist unverständlich. Alles, was den Beginn ausmachte ist vergessen und Überproduktion für die Clubs ist an der Tagesordnung. Lady Gaga lässt grüßen. Wer brauch schon Musik, wenn er Geld hat. „All The Roses“ führt dann wieder zurück zur natürlichen Musik, ist selber jedoch nichts sagend.

Wie das Album endet, ist eine dramaturgische Frechheit! „Wild About It“ könnte von Beck stammen. Ist beinahe jazzig und überzeugt mit psychedelischer Ader und ungezwungenem Refrain. Als wäre dieser Track der einzige, den die Frau selbst geschrieben hat und mit voller Überzeugung von sich geben könnte. Hier wird mal ordentlich zugeschlagen und Lebensfreude strömt wieder durch das Zimmer, welche sich aber von den ersten Nummern abgrenzt und eine ganz eigene Art hat. Herrlich verschroben und untypisch. Man möchte beinahe denken, dass das „White Lillies Island“-Syndrom wieder da ist. Aber die Augen auf das große Ganze, muss man sich eingestehen, dass Imbruglia sich wohl eher die Musik als weitere Einkommensquelle erhalten möchte.

So geht ein gutes Popalbum zur zweiten Hälfte komplett flöten und hinterlässt den verzweifelten Hörer mit einem Dutzend Fragezeichen, wenn nach der Elektroeskapade ein frischer Wind weht, der allerdings einzig und allein die Aufgabe innehat, den Vorhang zu schließen.

Anspieltipps:

  • Wild About It
  • Fun
  • My God

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