KISS - Sonic Boom - Cover
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KISS Sonic Boom


  • Label: Roadrunner/WEA
  • Laufzeit: 43 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
7.2/10 Leserwertung Stimme ab!

„Sonic Boom“ ist ein nettes Hardrockalbum geworden, das mit keiner einzigen Großtat in Sachen Songwriting aufwarten kann.

Frage: Warum haben die alten Herren von Kiss satte elf Jahre (!!) nach ihrem letzten Studioalbum „Psycho Circus“ (09/1998) mit „Sonic Boom“ völlig überraschend ein neues – ihr 19. (!!) – Studiowerk eingespielt, obwohl die Konzertbesucher ihrer scheinbar nie enden wollenden „Kiss Alive 35“ Abschiedstournee eh nur die alten Klassiker hören möchten und mit Albumverkäufen heutzutage nur noch ganz wenige Künstler richtig Kasse machen? Antwort: Offenbar waren Paul Stanley, Gene Simmons, Eric Singer und Neu-Gitarrist Tommy Thayer die ständigen Fragen der Konzertbesucher nach einer neuen Platte peinlich geworden. Schließlich geht man nur dann auf Tournee, wenn man den Fans etwas Neues bieten kann, auch wenn diese unterm Strich den alten Kram aus den 70ern bevorzugen, oder etwa nicht?

Obgleich das Unternehmen Kiss zu den Supertankern und den Rockbands dieser Welt zählt, können Entscheidungen durchaus schnell getroffen und umgesetzt werden. Nachdem der Plan eines neues Albums verabschiedet war, wurden die Songs für „Sonic Boom“ in nur vier Monaten geschrieben, geprobt und in Los Angeles aufgenommen und von Greg Collins (u.a. Scorpions, Meat Loaf, System Of A Down, Courtney Love) als Soundingenieur und Co-Produzent überwacht. Trotzdem ist es für eine Institution wie Kiss nicht ohne Risiko, mit neuem Material an die Öffentlichkeit zu gehen. Und so richtig scheint die Band dem Braten auch nach 80 Millionen verkauften Platten nicht zu trauen, weshalb sie dem regulären Studioalbum gleich noch eine Bonus-CD mit 15 neu eingespielten Bandklassikern und eine zusätzliche in Argentinien aufgenommene Live-DVD ohne Aufpreis als Kaufanreiz beigelegt haben.

Aufgenommen wurden die neuen Stücke mit Hilfe der guten alten Analog-Technologie, wobei die Band nie mehr als drei Takes pro Song brauchte und damit ein gewisses Live-Feeling ins Studio einbrachte (Gene Simmons: „Just plug into a goddamn Marshall and play!”). Entsprechend frisch und direkt klingt der gewohnt melodische Hardrock der New Yorker, die mit Songs wie „Modern day Delilah“, „Russian roulette“ und „Never enough“ sofort einen Angriff auf die Ohren des Hörers starten und sich auf ihre Stärken besinnen, herrlich simple und eingängige Lieder zu schreiben, die ohne Schnickschnack auskommen und einfach nur Spaß machen wollen. Dabei schrecken Kiss – wie sollte es auch anders sein? – weder vor schlagerartigen Melodien wie in „Stand“ noch vor etwas abgegriffenen Riffs wie in „Danger us“ zurück. Und dass bei der kurzen Produktionszeit auch mal der eine oder andere Schnellschuss wie „Hot and cold“, herauskommt ist völlig normal. Dem Kiss-Fan wird all das nicht viel ausmachen.

„Sonic Boom“ ist ein nettes Hardrockalbum geworden, das mit keiner einzigen Großtat in Sachen Songwriting aufwarten kann und dennoch Freude macht. Kiss zocken einfach drauf los und kümmern sich nicht um potenzielle Hitsingles und das Anspruchsdenken irgendeiner Plattenfirma. So ist die Kiss-Welt eben! Bei den Maskenmännern stellt ein okayes 6-Punkte-Album eben keinen Grund zur Panik dar, wogegen bei anderen Bands jede Wertung unter 7 Punkten Anlass für Verschwörungstheorien und Grund zu Katastrophenstimmung ist. Vielleicht müssen wir unsere Erwartungen und Ansprüche einfach grundsätzlich senken, um wieder klaren Kopf zu bekommen.

Anspieltipps:

  • Stand
  • Say yeah
  • Never enough
  • Russian roulette
  • Modern day Delilah

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