Editors - In This Light And On This Evening - Cover
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Editors In This Light And On This Evening


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 43 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Editors haben eine tolle Weiterentwicklung im Retrosound gefunden.

Weg mit den Gitarren! Die Editors haben ihren Sound gründlich überarbeitet, ihre Saiteninstrumente gegen ein paar Synthesizer ausgetauscht und toben sich nun tief im 80er-New-Wave aus, stapeln meterhohe und tiefschwarze Schichten aus Electro-Sounds. Dabei bleibt der musikalische Ansatz im Prinzip gleich, immer noch gibt Tom Smith mit seiner charismatisch-tiefen Stimme Texte voller Zweifel und Wut zum Besten, bewahrt sich jedoch immer den Hoffnungsschimmer. Die Musik malt dabei in denselben melancholischen Grautönen, die einst das Cover zu „The Back Room“ zierten. So geben sich Editors wieder düsterer und verschlossener. Öffnete man die Jalousie zuletzt auf „An End Has A Start“ noch ein wenig, lies zumindest ein paar Sonnenstrahlen hinein, so wird sie hier komplett verschlossen und anschließend das Fenster zugemauert.

Das tanzbare, als erste Single ausgekoppelte und an den Synthie-Pop von „Sweet Dreams“ (Eurythmics) erinnernde „Papillon“, suggeriert da zunächst noch ein falsches Bild, denn offensichtliche Hits sind auf dem gerade mal neun Lieder umfassenden Album spärlich gesät. Dennoch gehen die häufig sirenenhaft eingesetzen Synthie-Klänge in Verbindung mit den eingängigen Melodien direkt ins Ohr, wie bei dem fabelhaften Sechsminüter „Bricks and Mortar” - Vergleiche mit New Order oder ähnlichen Electro-Pop-Größen der 80er dürfen gerne gezogen werden. Gekonnt verwebt die Band beim Titeltrack das Piano als letztes Überbleibsel des früheren Sounds mit den elektronischen Klängen.

Das zwielichtige und etwas schräge „The Big Exit“ steuert zielgerichtet auf einen schwarzen Abgrund zu, während Smith in den höchsten Tönen singt, die er aus seinem Bariton heraus kitzeln kann und seine Band nahezu apathisch unablässig die gleiche Zeile skandiert: „They took what once was ours.“ Zwar haben es nach einer sehr starken ersten Hälfte mit „The Boxer“ und „Like Treasure“ auch zwei Lieder auf die Platte geschafft, die mit den ansonsten sehr stimmungsvollen Songs nicht ganz Schritt halten können – dem fabelhaften Gesamteindruck tut das jedoch fast keinen Abbruch. Denn gleich mit „Eat Raw Meat = Blood Drool“ wird dem ein sehr starkes Stück entgegengestellt, das mit pumpenden Bass und toller Melodie zum letzten Stück „Walk The Fleet Road“ führt, das ähnlich reduziert wie „Well Worn Hand“ („An End Has A Start“) das Album beendet.

Natürlich bleiben Editors unverkennbar die gleiche Band – Tom Smith thront zu jeder Zeit über dem Geschehen, die beklemmende Atmosphäre brodelt stets unter der Oberfläche wie auf dem Debüt. Die neuen Klänge passen wunderbar zu seiner Stimme und fügen sich einfach perfekt in den Editors-Sound ein und tragen auch die synthetische Unterkühltheit in sich, die in diesem Jahr schon mal auf dem Debüt von The XX zu hören war. So lässt man sich schon zu der etwas paradoxen Aussage hinreißen, dass die Editors eine tolle Weiterentwicklung im Retrosound gefunden haben.

Anspieltipps:

  • In This Light and On This Evening
  • Bricks and Mortar
  • Papillon
  • The Big Exit

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