Xavier Naidoo - Alles Kann Besser Werden - Cover
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Xavier Naidoo Alles Kann Besser Werden


  • Label: Naidoo Records/Tonpool
  • Laufzeit: 149 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit „Alles kann besser werden“ legt Xavier Naidoo ein absolutes Mammutwerk vor, das aus einer starken ersten, einer etwas schwächeren zweiten und einer bemerkenswerten dritten CD besteht.

Dass Xavier Naidoo (38) ein absolutes Arbeitstier und ein Hansdampf in allen Gassen ist, sollte mittlerweile hinreichend bekannt sein. Doch jetzt scheinen dem Mannheimer Soulsänger endgültig die arbeitswütigen Gäule durchgegangen zu sein! Denn vier Jahre nach seinem letzten Soloalbum „Telegramm für X“ (11/2005) liefert der musikalische Tausendsassa mal eben ein Dreifach-Konzeptalbum (!) mit 35 (!!) Songs ab, damit, wie er sagt, „seine Fans etwas für ihr Geld bekommen“.

Keine Frage, so eine Einstellung ist begrüßenswert. Dennoch besteht bei einem autark arbeitenden Künstler wie Xavier Naidoo latent die Gefahr, dass er absolut alles, was er textet und komponiert, ohne Regulativ auf den Markt schmeißt. Konfrontiert mit fast drei Dutzend neuen Songs dürfte deshalb so mancher Hörer den alten Spruch „Weniger ist mehr“ im Kopf haben. Doch zumindest in Bezug auf die erste der insgesamt drei CDs muss man sich darüber keine Gedanken machen. Hierauf legt Xavier Naidoo einige seiner besten Songs vor, die ihren Zweck auf Anhieb erfüllen: Sie gehen direkt ins Ohr und schmeicheln mit schönen Harmonien und herausragenden Gesangsperformances. Da hört man simple Beats, wie sie auf Bushido-Alben zigfach vorkommen, dazu kleine, aber feine Melodien sowie leicht verständliche Texte. Fertig! So einfach können gute Soul-Popsongs funktionieren.

Auf dem zweiten Silberling geht die Eingängigkeit dann spürbar zurück. Die bekannt gesellschaftskritischen und religiösen Texte Naidoos drängen sich in den Vordergrund und degradieren die Musik streckenweise zur Randerscheinung („Europa“, „Ich kann nicht weinen“, „Halte durch“, „So calm“). Das ist dann auf Dauer ermüdender Pathos-Pop, der Naidoo-Kritikern regelmäßig sauer aufstößt, der aber zu einem Xavier-Naidoo-Album dazugehört wie der Rausch zum Saufen. Schön ist: Auf diese altbekannte Weise will der 38-Jährige seine Hörerschaft nicht entlassen!

Auf CD Nummer drei (betitelt „dunkelHell“ und mit eindeutigen Warnhinweisen, was die Texte betrifft, versehen) holt Xavier Naidoo zum inhaltlichen Rundumschlag aus. Der auf den ersten beiden Silberlingen so beschwingt klingende Soul-Pop passt sich der Thematik an und kommt nun zum Teil symphonisch, düster und geheimnisvoll daher. Auf den Tisch kommen bewusst provokante Texte über Themen wie Kindesmissbrauch („Sie verdienen einen besonderen Schutz“), verhasste Politiker und Parteien („Raus aus dem Reichstag“, „Verschieden“, „Ruth Maude“) und was ihm sonst noch so vor die Flinte kommt („Goldwaagen/Goldwagen“, „Aufklärungsarbeit“). So schonungslos und direkt hat man Herrn Naidoo noch nie gehört.

Mit „Alles kann besser werden“ legt Xavier Naidoo ein absolutes Mammutwerk vor, das aus einer starken ersten, einer etwas schwächeren zweiten und einer bemerkenswerten dritten CD besteht. Insgesamt können erstaunlich viele Songs auf Anhieb zünden und ebenfalls nicht wenige durch mehrmaliges Hören erschlossen werden. Dadurch fällt die Ausschussquote erfreulich gering aus, auch wenn die alte Weise „Weniger ist mehr“ natürlich auch hier greift. Nichtsdestotrotz ist Herrn Naidoo mit diesem Konzeptwerk ein starkes Album gelungen, das lange Früchte tragen wird.

Anspieltipps:

  • Befreit
  • Alles lebt
  • Schiff Ahoi
  • Meine Muse
  • Ruth Maude
  • Verschieden
  • Wild vor Wut
  • Ich brauche dich
  • Gib dich nicht auf
  • Alles kann besser werden
  • Für dich öffnen sie die Tore
  • Söldnerlied (Drogen und Gold)
  • Bitte hör nicht auf zu träumen

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