Julian Casablancas - Phrazes For The Young - Cover
Große Ansicht

Julian Casablancas Phrazes For The Young


  • Label: RCA/Sony Music
  • Laufzeit: 40 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein merkwürdiges Ding ist es, mit diesem Soloalbum vom Strokes-Frontmann. Julian Casablancas vervollständigt die selbstinitiierte, ungewollte Beweisführung der Mitglieder jener Band, die 2001 die Leichtigkeit und künstlerische Preziösität zurück in den, dank Limp Bizkit und Korn, niveaulos gewordenen Rock gebracht haben. Eine Beweisführung, dass verschiedenartige Individuen zusammenkommend im Konstrukt Band etwas Einzigartiges zu leisten im Stande sind, nicht notwendigerweise aber die einzelnen Teile auf sich allein gestellt.

Drummer Fabrizio Moretti mit Little Joy, Nikolai Fraitures Nickel Eye, Albert Hammond Jr.’s Soloalben und nun auch Sänger und Frontmann Julian Casablancas: alle Mitglieder der Strokes, bis auf Gitarrist Nick Valensi, probieren sich an Alleingängen und zusammengefasst verbleibt die Quintessenz, dass keiner an die Magie ihres Hauptbandsounds heranzureichen vermag. Hammond Jr.’s Soloalben sind kurz vor schlecht, Nickel Eye hat starke Momente, aber lange Schwächen und Little Joy funktioniert, weil eigenständige Band, am besten. Ein veritables Wagnis also für Casablancas ins selbe Horn zu stoßen.

Schlecht macht er es nicht, aber diese sperrige Synthie-Pop-Ästhetik, die absurderweise an Melodiearrangements aus der Klassik erinnern und sich dann kunstvoll mit heutigem Indie-Rock verweben soll, ist in der Summe wenig integer. Die wie Kaugummi langgezogene, bei den Strokes so treffend wirkende, gelangweilte Intonierung seiner Gedanken will hier manches Mal einfach nicht passen („Ludlow St.“), artifiziell überladen erscheinen viele Passagen („4 Chords Of The Apocalypse“), wie ein Versuch Rock-Chansons für die außer-frankophone westliche Welt zusammenzuzimmern. Einzig die Songs, die entkleidet auf simplifizierte Rock-Schemata zurückzuführen sind erfüllen die Hoffnung auf veritablen, modernen Indie-Rock, allen voran „River Of Brakelights“ und das in einer dicken Soße aus Abba-Pop getünchte „11th Dimension“, mit Abstrichen auch „Left & Right In The Dark“. Insgesamt aber lassen diese 40 Minuten reichlich unbefriedigt zurück und stärken wiederum seine zynische, lyrische Cleverness: mehr als Phrasen bekommt man auf „Phrazes For The Young“ tatsächlich nicht.

Aber Casablancas ist nun einmal Hauptverantwortlicher des Strokes’schen Outputs. Und als solcher hat er zu genüge bewiesen, dass er ein hervorragender Musiker ist. Es ist ein merkwürdiges Ding mit diesem Soloalbum des Strokes-Frontmann. Nicht gut, aber auch nicht schlecht.

Anspieltipps:

  • River Of Brakelights
  • 11th Dimension
  • Glass

Neue Kritiken im Genre „Rock“
Diskutiere über „Julian Casablancas“
comments powered by Disqus