Forro In The Dark - Light A Candle - Cover
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Forro In The Dark Light A Candle


  • Label: Nublu Records/WEA
  • Laufzeit: 43 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Zwei rhetorische Fragen: Kennen Sie Forró? Nein, wahrscheinlich nicht oder auch doch und man wusste nur nicht um den Namen. Zweitens. New York ist Ihnen ein Begriff? Ja, augenscheinlich, auch wenn es um die New Yorker Musikszene vielleicht anders bestellt ist. Aber mal langsam. Wenn hier von brasilianischer Musik gesprochen wird, ist nicht Samba wie Janeiro gemeint, sondern Bossa Nova angehauchte Partymusik, die sich besonders durch Einsatz der Pifano, eine Flöte, welche vom Stil irgendwo zwischen Blockflöte und den Inkas aus den Fußgängerzonen deutscher Großstädte tendieren sollte und auch tut. Die vier Brasilianer hat es nach den Staaten gezogen und in der Modestadt reicht es nicht, anders zu sein. Man muss hip sein und nichts leichter als das. Das Cover ist seit Langem das Aufschlussreichste, das ich gesehen habe. Vier Mannen in feinen Anzügen in einem Stall neben einer Ziege. Hier trifft klassischer Stil und Lebensfreude aus dem feurigen Brasilien auf das Stil bewusste New York.

Von der ersten Sekunde an, fegen die feschen Rhythmen alle Hemmungen von der Tanzflächen und hier und da wird dieser fremdartige Stil mit bekannten Strukturen aus der Rock-Schublade gewürzt. So wirken die Lieder irgendwie vertraut und das liegt bestimmt nicht daran, dass man an Inkas mit Panflöten denkt. Es ist nahezu unmöglich, in den laufenden 43 Minuten die Beine still zu halten, denn Stücke wie „Caipirinha“, „Forró De Dois Amigos“, der Opener „Bandinha“ und beinahe alle anderen Lieder arbeiten mit schnellen Rhythmen, die sich der Lässigkeit des Bossa Nova jedoch nie entbehren und allein durch das Pifano eine gleichzeitig schnelle Ader vorweisen. Der Gesang, so ernst die Texte auch manchmal sein mögen, ist durch den Klang und die Stimmung der Musik zumeist auf gute Laune aus und das Einzige, was wirklich zu bemängeln ist, ist dass manchen wohl irgendwann die Lust an diesem Stil vergehen könnte, da durch die immer gleichen Instrumente und auf Dauer gleiche Stimmung eine Monotonie entsteht. Da der Sound jedoch so frisch wirkt, wird das viele nicht stören.

An diesem Fakt zeigt sich jedoch, dass man es hier nicht mit Musikgöttern zu tun hat, sondern dass Forro In The Dark einen Trend setzen konnten, der sie beliebt macht. Besonders an den beiden langsamen Stücken mit Gastmusikern „Just Like Every Other Night“, eine Mid-Tempo-Nummer, die sich dann augenscheinlich wie ein bloßer Sampler anhört und auch „Silence Is Golden“ wirkt ein wenig abwegig vom Restkurs, wenngleich die rauchige Performance von Sabina Sciubba hinreißend ist. Letzen Endes haben die vier Brasilianer einen lebensfrohen Mix geschaffen, der auf jeden Fall für einige schöne Momente sorgt und allein jene, die richtig hinhören merken, dass hier kein Meisterwerk vorliegt. Alle anderen sollte dies nicht jucken, da gute Laune garantiert ist und das ist heutzutage doch eine Menge wert.

Anspieltipps:

  • Bandinha
  • Silence Is Golden
  • Forró De Dois Amigos

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