Maradona - Das Leben Ist Schön - Cover
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Maradona Das Leben Ist Schön


  • Label: 313JWP/Sony Music
  • Laufzeit: 41 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine Band, die sich Maradona nennt und bei einem Fußballspiel kennen gelernt hat - Kann das gut gehen? Nun ja, es kann. Zumindest teilweise, denn Pete (Gesang), Achim (Gitarre), David (Bass), Jörg (Perkussion) und Tim (Schlagzeug) geben einen Dreck auf jegliche Konventionen und brechen den Rahmen deutscher Rockmusik so konsequent wie die deutsche Elf die gegnerische Verteidigung in ihren besten Tagen. Irreführend ist das Konzept hinter „Das Leben ist schön“ aber dennoch. Auf der einen Seite klappert der Fünfer nämlich jedes erdenkliche popkulturelle Zitat ab, das auch nur annähernd in den Kontext passt und jagt den Hörer durch eine bunte Mischung aus Rock, Reggae, Punk, Ska oder Swing und auf der anderen Seite handeln die Texte mitunter von zynischen Bemerkungen aus dem Alltag oder Kritik am System.

Wer sich auf diese etwas wirre und gegensätzliche Ausgangslage einlässt, wird mit einem durchgeknallten, aber nie wirklich aus dem Ruder laufenden Album belohnt, das sich selbst nicht ernst nimmt, aber Anspruch auf Ernsthaftigkeit versprüht. Um eine ungefähre Vorstellung davon zu bekommen, braucht einfach nur der Opener „Bang boom bang“ angespielt werden, der das Tatort-Thema aufgreift und mit einsilbigem „Ah Ah Aaaah“-Gerufe untermalt wird, während z.B. „Schlaflos“ und „Ich bin weg“ in düstere Töne gehüllt einen melancholischen Gegenpart offenbaren. Leider wandeln Maradona einen Tick zu oft auf diesem schmalen Grat zwischen Blödelei und kritischem Sarkasmus bzw. Weltschmerz-Gebärden, was der Scheibe nicht nur einen inkonsequenten Eindruck beschert, sondern auch dazu führt, dass das Interesse letztendlich nur für ein paar Songs geschürt werden kann und die restlichen Kompositionen mehr oder weniger im Regen stehen bleiben.

Außerdem stolpern Maradona nicht nur einmal über unbeholfene und unnötige Schlagerstimmung im Bierzelt („Das Leben ist schön“, „Noch lange nicht tot“, „Mexiko“, „Wieder mal Dezember“), die zwar spaßig ist, aber dessen Nährwert gegen Null tendiert. Schön wäre gewesen, wenn die fünf Deutschen ihren bunten Blumenstrauß an Ideen auf ein sinnvolles Maß heruntergekürzt und nicht jeden witzigen Part oder sinnentleerte Phrase in „Das Leben ist schön“ gequetscht hätten. Das wiederkehrende „Wer hat an der Uhr gedreht“-Zitat aus der „Rosarote Panther“, das in „Wieder mal Dezember“ vorkommt, mag lustig sein, auf Dauer nervt es aber ganz gewaltig. Und wieso die geniale, wenn auch kurze Mariachi meets Rock-Stelle in „Mexiko“ nur einmal aufgegriffen wird und dann nie wieder, entbehrt ohnehin jeglicher Logik.

Ein weiteres Fragezeichen sitzt hinter dem Mikro. Mit einer Stimme, die klingt als wäre sie aus einem unter Verschluss gehaltenen Genexperiment mit Marius Müller Westernhagen und Udo Lindenberg entstanden, krächzt Sänger Pete zwar stets mit einem Augenzwinkern durch die Tracks, wirkliche Akzente setzt er aber nur in der Swing-Nummer „Brigitte“ als Roger Cicero oder Dean Martin-Imitat oder in den in sich gekehrteren Stücken „Ich bin weg“ und „Schlaflos“, die die Qualitäten seiner Reibeisenstimme voll ausschöpfen. So kommt es, wie es kommen muss. Maradona sind die Evolution der Sportfreunde Stiller, jedoch in beide Richtungen. Sie nehmen zwar die in Ordnung gehende Stadionrock-Attitüde mit, verzichten aber nicht auf dümmliche Mitgröl-Passagen, obwohl der weitreichende Stilmix diese Zutat locker umschiffen könnte. Mal sehen, für was sich Maradona in Zukunft entscheiden: Anspruch oder Oktoberfest.

Anspieltipps:

  • Brigitte
  • Feuerzeug
  • Ich bin weg

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