Oliver Koletzki - Großstadtmärchen - Cover
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Oliver Koletzki Großstadtmärchen


  • Label: Stil Vor Talent/Rough Trade
  • Laufzeit: 52 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Informiert man sich im World Wide Web über den deutschen DJ und Musikproduzenten Oliver Koletzki, könnte schnell der Eindruck entstehen, der Braunschweiger hätte in seiner musikalischen Laufbahn bislang nur einen einzigen Song geschrieben, nämlich „Der Mückenschwarm“. Dabei ist der anfangs im HipHop beheimatete Koletzki gerade durch seine Remixarbeiten (z.B. für den Lützenkirchen-Hit „3 Tage wach“ oder John Acquavivas Floorfiller „Feedback“) und viele eigene Kompositionen auf dem elektronischen Sektor bekannt, die nicht nur von seinem damaligen Mäzenen Sven Väth gewürdigt und in unzähligen DJ-Sets gespielt werden.

Mit „Großstadtmärchen“ legt der Deutsche nun seinen zweiten Longplayer nach „Get wasted“ (06/2007) vor und beeindruckt durch eine breite Palette an minimalistisch-melodischen Songs, die gerade ihres Lounge-Faktors wegen für sofortige Entspannung sorgen und den hektischen Alltag vergessen lassen. Im Gegensatz zu vielen anderen Soundtüftlern am House-Sektor versteckt sich Koletzki nämlich nicht hinter dicken Bässen und kratzigen Beats, sondern legt Wert auf eine glasklare, räumlich ausgelegte Produktion, die zu jeder Tages- und Nachtzeit als auch auf jeder Lautstärke gleich gut klingt. Mit live eingespielten Instrumenten und ohrwurmlastigen Keyboardsamples kreiert er eine Wohlfühlplatte, die einen äußerst runden Eindruck hinterlässt.

Unterstützt wird er dabei von Mieze Katz von MIA. („This is leisure“), Juli Holz („Zuckerwatte”), die ihre süßliche Stimme in faszinierender Symbiose über die entspannten Klanglandschaften legt, Axel Bosse der Deutschrockband Bosse („U-Bahn“), der sein ruhiges Timbre beisteuert, sowie von der Rocktruppe Kate Mosh, die für einige basslastige Argumente sorgt, als auch den beiden Sängerinnen Fran und Pyur, die den Songs „Hypnotized“ und „These habits“ eine gehörige Portion wehmütige Intensität bescheren.

Zum Abschluss schauen noch Die Raketen mit ihrem Song „Nimm mich mit“ vorbei, welcher im Remix von Koletzki allerdings recht durchschnittlicher Natur ist, weswegen es besser gewesen wäre noch einmal einen Track im Stil der etwas flotteren Stücke „Kusskompatibel“ oder „Kleines Zwischenspiel“ auf „Großstadtmärchen“ unterzubringen, die einem durch den locker-leichten Umgang mit Melodie und Rhythmus sofort im Ohr hängen bleiben. Abgesehen von einigen Passagen in dem einen oder anderen Song, die dessen Halbwertszeit aufgrund von fehlender Abwechslung, welche sich meist im letzten Drittel bemerkbar macht, erheblich verkürzt, ist dem Braunschweiger mit seiner zweiten Platte ein sanftmütiges Werk geglückt, dessen Klasse andere Acts auf dem Sektor erst erreichen müssen.

Anspieltipps:

  • Hypnotized
  • Zuckerwatte
  • Kusskompatibel
  • Kleines Zwischenspiel

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