Rammstein - Liebe Ist Für Alle Da - Cover
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Rammstein Liebe Ist Für Alle Da


  • Label: Universal
  • Laufzeit: 46 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
7.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Comeback! Ein Wort, mit dem die Musikszene nicht gerade die allerbesten Erfahrungen in Verbindung bringt. Doch Rammstein waren so lange von der Bildfläche verschwunden, dass ihr sechstes Studioalbum „Liebe ist für alle da“, tatsächlich als solches durchgeht.

Mit dem sehnsüchtig erwarteten Comeback einher, geht eine Welle der Erleichterung durch die Reihen der Rammstein-Jünger. Denn so richtig sicher konnte sich niemand sein, ob die sechs Berliner jemals zurückkehren würden. Kein Wunder, dass die Fans zwischendurch mächtig nervös wurden und die Gerüchteküche brodelte. Schließlich ist zwischen zwei Rammstein-Studioalben noch nie dermaßen viel Zeit ins Land gegangen (das vorerst letzte Studiowerk, „Rosenrot“, erschien im Oktober 2005, gefolgt von der „Völkerball“ Live-Box im November 2006) und die Band wäre nicht die erste, die im Studio, beim Versuch an alte Glanztaten anzuknüpfen, entnervt aufgibt.

In all der Zeit gab es nie ein offizielles Statement aus dem Rammstein-Lager, das bereits Wochen vor der Veröffentlichung der ersten Single („Pussy“) die Promotionmaschinerie angeschmissen hatte und damit sukzessive herausließ, dass „Liebe ist für alle da“ in der Tat eine schwere Geburt war. Die Band kämpfte sich seit dem Frühjahr 2007 mit Unterbrechungen durch jahrelang angesammelte Ideen und verzettelte sich dabei mit zunehmender Dauer in zig verschiedenen Versionen einzelner Songs. Nach Angaben von Gitarrist Paul Landers wurde das Album insgesamt viermal komplett verworfen, eh das gesamte Bandkollektiv zufrieden mit dem Ergebnis war.

Auch wenn Rammstein am Ende ihre innere Ordnung wieder gefunden haben, bestand für das neue Album latent die Gefahr, dass darauf der Abgesang der erfolgreichsten deutschen Rockband der vergangenen Jahre stattfinden wird. Doch schon mit der vier Wochen vor der Albumveröffentlichung ausgekoppelten „Pussy“-Single haben Rammstein bewiesen, dass sie nach wie vor die Alten sind. Der Song geht leicht ins Ohr, der Text ist provokant wie eh und je und der dazugehörige Videoclip kann auf jedem Hotelzimmer-Pornokanal mit Bravour bestehen.

Den Skandal immer dicht im Visier – das gilt auch für den Rest des Albums, auf dem Till Lindemann wieder seinen morbid-abartigen Texten frönen kann, die grenzwertige Themen wie das Inzest-Drama von Amstetten aufgreifen („Wiener Blut“), perverse Sexlust verherrlichen („Ich tu dir weh“), kryptische Kopulationsandeutungen machen („B********“) und die Fans (oder doch die Band selbst?) hochleben lässt („Rammlied“). Musikalisch klingt das Ganze äußerst vertraut, zum Teil sogar dicht am Selbstplagiat, also kurz gesagt: eigentlich wie immer! Überraschungen sind demnach selten und nur Songs wie „Frühling in Paris“ (eine Art Brachial-Ballade) oder „Haifisch“, dessen Grundthema wie bei Erasure, Soft Cell oder Depeche Mode geborgt klingt, lassen kurz aufhorchen. Ansonsten regiert zackiger Marsch-Metal, der mal besser („Wiener Blut“) und dann wieder wie bloßes Füllmaterial klingt („Haifisch“).

Es scheint fast so, als hätte sich das Phänomen Rammstein inzwischen abgenutzt. Denn wirklich mitreißen kann ein Album wie dieses inzwischen nicht mehr. Diese Stagnation passiert zwar auf einem vergleichsweise hohen Niveau, doch zieht man Alben wie „Herzeleid“ und „Sehnsucht“ als Referenz heran, fällt schon auf, dass Rammstein früher mehr zu bieten hatten, als mit dicken Gitarren und dichten Keyboardflächen alles niederwalzen wie ein außer Kontrolle geratener Granitblock.

Anspieltipps:

  • Pussy
  • B********
  • Wiener Blut
  • Frühling in Paris
  • Liebe ist für alle da

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