Russian Circles - Geneva - Cover
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Russian Circles Geneva


  • Label: Suicide Squeeze/CARGO
  • Laufzeit: 46 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Jaaaaaa! So müssen die Herren aus Chicago klingen. Nach einem bisschen verschlafen wirkenden Vorgänger „Station“ haben sich die drei Instrumentalisten wieder auf die Stimmung des Erstwerks „Enter“ besinnt. Ein dreckiger, roher und harter Post-Rock, der ordentlich groovt und jede Menge Eier hat. „Fathom“ marschiert nach einer Angst einflößenden Streicherpassage kräftig los. Der Titeltrack „Geneva“ macht da keine Abstriche, setzt nicht nur konsequent dieses ungeschliffene, rohe Muster fort, sondern legt noch eine Schippe an Härte zu. Es ist einfach beeindruckend was drei Instrumente alles hervorbringen können, wie dicht und spannungsgeladen das Resultat sein kann. Krach vom Allerfeinsten.

Selbst die ruhigen Passagen sind so intensiv, dass sie eine unwohle, dunkle Atmosphäre verbreiten, in der der Zuhörer ständig auf der Hut ist, unsicher ob nicht jederzeit ein Riff- und Schlagzeuggewitter über ihn einbricht. Wie in „Melee“, das trotz Streicherbegleitung diese Unsicherheit hervorruft bevor es im letzten Drittel seinen Charakter ändert, wobei es immer wieder an Fahrt zu- und abnimmt. Auch „When The Mountain Comes To Muhammad“ strahlt trotz vieler subtiler Melodien diese innere Unruhe aus, die in einem grummelnden Basslauf gipfelt, bevor die Gitarre kurzzeitig alles übertönt. Russian Circles spielen, genau wie This Will Destroy You, gerne mit der Nichterfüllung von Erwartungen und typischen Post-Rock-Klischees. Denn musikalische Eruptionen können plötzlich auftreten oder auch einfach ausbleiben ohne sich einem langsamen Aufbau der Spannung unter zu gliedern.

Mit „Malko“ kriegt man einen Eindruck von dieser Unberechenbarkeit, hier gelingt ihnen ein vielschichtiges, abwechslungsreiches Stück Musik, das nur schwer in Worte zu fassen ist. So richtig zum Relaxen mit gediegenen Tönen lädt nur „Hexed All“ ein, die einzige Verschnaufpause von dieser herrlich düsteren Stimmung des Albums. Der Umschwung von der energiegeladenen ersten Hälfte zum schwermütigen Ende ist sehr überzeugend. „Philos“, ein 10-Minuten-Epos zum Abschluss, bahnt sich traurig und depressiv seinen Weg, kurz durch eine Wut übermannt, beruhigt es sich wieder und setzt seine Reise fort, verschwindet langsam hinter dem Horizont.

Eine unglaublich stimmige Vermischung von harten Riffattacken, Atmosphäre und stimmungsvoll akzentuierten Streichern gelingt Russian Circles auf „Geneva“. So etwas Organisches zu erschaffen erfordert drei Individualisten, die in ihrer Musik aufgehen. Drei Instrumente, die gleichberechtigt koexistieren und manchmal wild oder auch entspannt durch die Musik mäandern. Mike Sullivan (Gitarre), Brian Cook (Bass) und Dave Turncrantz (Schlagzeug) vollbringen dieses Kunststück auf ihrem dritten Werk in Perfektion. Eine Synthese aus ihren beiden Vorgängeralben, die absolut aufgeht.

Anspieltipps:

  • Melee
  • Malko
  • When The Mountain Comes To Muhammed

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