Joe Perry - Have Guitar, Will Travel - Cover
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Joe Perry Have Guitar, Will Travel


  • Label: Roman Records
  • Laufzeit: 47 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Joe Perry nutzt die Durststrecke, von der Aerosmith nun schon seit fünf Jahren seit der Veröffentlichung von „Honkin´ on Bobo“ (03/2004) zehren, und legt nach der fast komplett in Eigenregie entstandenen Scheibe „Joe Perry“ (05/2005) mit „Have guitar, will travel“ seine mittlerweile fünfte Soloplatte vor. Zusammen mit Paul Santo (Gitarre), David Hull (Bass) und Marty Richards (Schlagzeug) will Perry wohl musikalisch an die kommerziell weniger erfolgreichen Alleingänge mit seinem Joe Perry Project, das drei Ableger zwischen 1980 und 1983 abwarf, anknüpfen. Von der Wucht seiner früheren Kompositionen, die noch hauptsächlich bei Aerosmith entstanden, ist auf der guten Dreiviertelstunde voller staubigen Bluesrock-Nummern allerdings kaum etwas zu spüren. Da wir hier aber ohnehin nicht bei Tyler & Co., sondern nur bei Mister Perry sind, merkt man frühestens wenn der Gesang einsetzt und nicht Steves Rockröhre ins Mikro kreischt, sondern abwechselnd Perry oder der deutsche Sänger Hagen, die gemeinsam einen guten, jedoch nicht überragenden Job verrichten.

Aus rein musikalischer Sicht bügelt „Have guitar, will travel“ diesen Umstand nicht komplett aus, da die kreative Muse während den Songwriting-Sessions wohl gerade Urlaub hatte, was nicht nur daran liegt, das „We´ve got a long way to go“ als flotter Opener im Vergleich zur eröffnenden Dampfwalze „Shakin´ my cage“ (von „Joe Perry“) nicht einmal annähernd an dessen Durchtriebenheit herankommt und bestenfalls durchschnittliche Ambitionen hegt, sondern auch weil das restliche Material nicht in Fahrt kommen will. Dabei schlägt „Slingshot“ mit Western Style-Atmosphäre und groovender Melodie im Anschluss den richtigen Weg ein, allerdings folgen mit dem pop-infizierten „Do you wonder“, der hüftenschwingenden Bluesrocknummer „Somebody´s gonna get me“, die traditionsgemäß etwas übersteuert wurde, und dem überlangen Rockstück „Heaven and hell“ mehrere Füller, welche erst von „No surprise“, das puren Rock´n´Roll in Form einer genial-abgedrehten Gitarrenlehrstunde ab dem Mittelteil bietet, unterbrochen werden und zum Glück ein jähes Ende finden.

Mr. Perry dürfte sich außerdem gerade warm gespielt haben, denn mit dem Instrumental „Wooden ships“ legt der 49jährige zwar ein weniger abstraktes, dafür in klassischem Rahmen dargebotenes Stück vor, das Rock in Großbuchstaben auf seine Saiten geschrieben hat, bis der unaffektierte Gesang im sukzessivem „Oh lord“ die ansonsten gelungene Atmosphäre nicht auffangen kann und ihm so einige Pluspunkte kostet. Ein Problem, dass das aufbegehrende „Scare the cat“, welches gut und gerne auch von Aerosmith stammen könnte, nicht hat, weil der vorkommende Text in Endlosschleife präsentiert einfach keine Spannung aufkommen lässt und dem Prädikat okay, aber belanglos anheim fällt. Dann doch lieber den fetzigen Abschluss „Freedom“, der zwar ausschließlich von Perrys genialischen Solo-Ambitionen lebt, aber immerhin über dem Durchschnitt anzusiedeln ist, was „Have guitar, will travel“ im Großen und Ganzen nur mit Müh´ und Not schafft, denn selbst wenn neues Material von Aerosmith noch in weiter Ferne zu sein scheint, mit dieser durchwachsenen Vorstellung ist kein Blumentopf zu gewinnen.

Anspieltipps:

  • Freedom
  • Slingshot
  • No Surprise
  • Wooden Ships

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